Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

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Claudia
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Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von Claudia » 21. Mai 2015, 15:26

Hallo zusammen

mein Sohn ist 13 Jahre alt und letzen Sommer wurde ADS, ohne das "H" diagnostiziert. Wessen Kind ist auch "nur" von ADS betroffen? Ich kenne niemanden. Ich habe auch schon einen Elternkurs besucht, auch da immer nur Eltern mit ADHS-Kindern.

Ich sage immer, mein Sohn hat die "Schlaftablettenvariante". Es tönt fies. Ich finde, aber es trifft halbswegs zu und die Leute verstehen einen dann besser, wenn man darüber spricht. Ich bin froh, ist Noel sehr intelligent. So schafft er die Schule halbwegs zufriedenstellend. Die Jahre in der Primarschule waren von der leistungsmässigen Sicht her halbwegs problemlos. Erst jetzt in der Sekundarschule gibt es enorme Probleme.

Ich freue mich über Kontakt mit anderen betroffenen Eltern.

Herzliche Grüsse

Claudia Jud
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Beatrice
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Re: Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von Beatrice » 9. September 2022, 17:19

Hoi Claudia

Du bist seinerzeit ohne Antwort geblieben, was sehr schade ist. Gerade wurde ich auf ein Webinar aufmerksam. ADS hat man ja lebenslang.

15. September 2022 Webinar für Eltern und Bezugspersonen von Kindern mit ADS
Webinar für Eltern und Bezugspersonen: Verträumten Kindern bereitet vieles Mühe, was in der Schule wichtig ist: zuhören ohne abzuschweifen, den Einstieg in die Aufgaben finden, konzentrieren und organisieren. Was können Eltern tun, um verträumten Kindern das Lernen zu erleichtern und trotz Alltagsstress eine positive Beziehung zu wahren? In seinem Vortrag zeigt der Referent Fabian Grolimund, Psychologe FSP praktische Möglichkeiten, wie verträumte Kinder unterstützt und gestärkt werden können. Kosten: Fr. 20.− für elpos-Mitglieder, Fr. 30.− für Nichtmitglieder Infos: www.adhs-organisation.ch


LG
Bea
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orphan
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Re: Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von orphan » 10. September 2022, 11:31

Hallo Claudia

Damals hätte ich keine Antwort auf deinen Bericht gewusst ... heute schon:

ADS wird selten abgeklärt, weil die Kinder meistens sehr intelligent sind und nicht wirklich auffallen. Der Leidensdruck bei einem Kind/Person mit ADHS ist meistens grösser - gerade wegen dem "H". Und wenn ein introvertiertes Kind abgeklärt wird, liegt es meistens schon im Bereich Autismus. War bei meinem Sohn auch so. Er war sehr introvertiert aber niemand hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es ADS sein könnte. Erst in der ersten Oberstufe mit 12 Jahren, wurde er abgeklärt (Pubertät hat zwischenzeitlich die Symptome verändert). Die Abklärungen habe ich damals ohne Schule durchgeführt!
Bei den Abklärungen zeigte sich, dass er ADS hat. Um auszuschliessen, dass es Autismus ist, wurde er für die Sprechstunde Autismus aufgeboten. Die Diagnose war dann tatsächlich: Asperger Autist mit Teilhochbegabung. Und weil in der Schweiz anscheinend nicht beide Diagnose vergeben werden - also ADS und Autismus - steht im Diagnosebericht einfach Asperger Autist (heute ASS).
ADS und Autismus liegen sehr nahe beieinander.
Ich arbeite als Klassenassistenz und sehe täglich Kinder, von denen ich ziemlich sicher bin, dass sie ADS haben könnten oder sogar ASS. Aber sie sind still und weder die Lehrpersonen noch die Eltern kennen sich mit den Symptomen ADS oder ASS aus. Keiner kommt auf die Idee, dass man den Kindern mit einer Diagnose helfen könnte. Sie sind still, sehr intelligent aber extrem langsam und schaffen deshalb das Pensum nicht, brauchen an Prüfungen zu viel Zeit und erhalten schlechte Noten, weil sie mehrere Aufgaben aus zeitlichen Gründen nicht lösen können. Das ist sehr schade. Mit einem Nachteilsausgleich wäre diesen Kindern geholfen und sie hätten viel besser Noten. Auch das Selbstvertrauen, welches den Kindern oft fehlt, würde somit aufgebaut werden können!
Claudia
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Re: Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von Claudia » 14. September 2022, 09:20

Hallo Orphan

Du sprichst mir aus der Seele. Mittlerweile ist mein Sohn 20 Jahre alt und hat soeben die Ausbildung zum Informatiker abgeschlossen. Während der Ausbildung ergaben sich grössere Probleme seitens des Lehrbetriebes. Es hiess er sei unfreundlich, nicht interessiert und abweisend. Ich habe meinem Sohn dann nahegelegt, die Diagnose mitzuteilen. (Bis dahin wusste der Lehrbetrieb nichts davon, er wollte das nicht). Wir sind dann auf offene Ohren gestossen und Noel hat dann anschliessend eine Therapie gemacht. Er hat auch kurzzeitig Concerta ausprobiert, es aber nach einigen Wochen wieder abgesetzt. Der Therapeut hat auch die Diagnose Asperger in den Raum gestellt. Noel wollte es dann aber nicht abklären lassen. Für ihn spielt es keine Rolle, welche Diagnose er hat. Und über die IV läufts ja sowieso nicht mehr, da er ja schon 20 ist.
Ich habe Noel natürlich akzeptiert wie er ist, aber es tut mir wahnsinnig leid für ihn. Er kann nur ganz schwer, fast gar nicht, mit anderen Menschen in Kontakt treten. Er ist fast nur zu Hause, macht keine Unternehmungen. Er hat einen guten Kollegen und zwei solala Kollegen. Er hätte auch so gerne eine Freundin. Aber eben, wo kennenlernen, wenn er nur zu Hause sitzt. Er hatte mal eine, aber das ist mittlerweile ein Jahr her.
Ich bin gespannt, wie dann auch die Suche nach einer Folgestelle nach der Ausbildungsstelle läuft. (Er kann noch bis nächsten Sommer beim Lehrbetrieb bleiben.)
Danke für deine Antwort und alles Gute.
Claudia
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orphan
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Re: Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von orphan » 14. September 2022, 19:46

Hallo Claudia

Schön, dass du geantwortet hast.

Ist für mich sehr interessant was du schreibst. Und schön zu hören, dass es Lehrbetriebe gibt, die mit einer Diagnose umgehen können!
Mein Sohn hatte tatsächlich auch eine Lehre zum Informatiker mit Berufsmatura begonnen. Aber der Lehrbetrieb war nicht gut für ihn. Einerseits hat seine Ausbildnerin kurz nach Beginn der Lehre gekündigt und dann kam Corona und er war im Home Office. Obwohl er das eigentlich sehr gut gemeistert hat, gab es nur noch Probleme, als die Arbeit wieder vor Ort stattfand. Der neue Verantwortliche konnte überhaupt nicht mit der Diagnose umgehen. Es ging soweit, dass er zu ihm gesagt hat, ob er "zu dumm" für die Aufgabe sei!
Wir haben die Probezeit verlängern lassen, weil ich spürte, dass sich mein Sohn überhaupt nicht mehr wohl fühlt. Wir suchten eine Anschlusslösung als wir eine Lösung hatten, kündigte er innerhalb der Woche, die in der Probezeit möglich ist. Sie haben ihn dann auch tatsächlich sofort frei gestellt!
Er besucht jetzt das Kurzzeitgymnasium und ist zum ersten Mal in seiner Schulzeit richtig glücklich. Er blüht unglaublich auf und man sieht, dass es ihm gefällt, gefordert zu werden! Er hat auch zum ersten Mal Kollegen gefunden. Und er macht tatsächlich auch ab und zu mit ihnen ab. Das freut mich unheimlich. Während der ganzen Schulzeit (Primar/Oberstufe) hatte er keine Kollegen. War immer nur zu Hause. Von daher kann ich dich sehr, sehr gut verstehen - gerade auch bezüglich einer Freundin finden. Mein Sohn hatte noch nie eine Freundin. Momentan scheint ihn das aber nicht zu stören.

Darf ich fragen, nimmt dein Sohn Noel Ritalin? Ich weiss, dass das Medikament sehr umstritten ist. Für meinen Sohn war es ein Segen. Obwohl man bei Asperger Autist eigentlich kein Ritalin verschreibt, hat uns die Psychologin damals erklärt, dass es bei introvertierten Personen manchmal hilft, sich zu öffnen. Sie können sich in Gruppenaktivitäten besser mitteilen. Blickkontakt herstellen. Fühlen sich im "sozialen Bereich" sicherer! Mein Sohn war damals sehr offen und stimmte einem Versuch zu. Es hat ihm sehr gut getan und er hat sehr schnell gemerkt, dass es ihm tatsächlich in diesem Bereich hilft. Er nimmt eigentlich eine eher kleine Dosierung. Dadurch spielt es auch keine Rolle, wenn er das Medikament einmal nicht nimmt. In den Ferien nimmt er es beispielsweise selten. Manchmal kommt es auch vor, dass er eine zusätzliche Tablette mit in die Schule nimmt, wenn er weiss, dass am späteren Nachmittag eine Gruppenarbeit stattfindet!
Claudia
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Re: Nur ADS - Kontakt mit anderen betroffenen Eltern gesucht

Beitrag von Claudia » 15. September 2022, 16:01

Hallo Orphan

Wie oben geschrieben, hat Noel kurzzeitig Concerta ausprobiert. Ich fand es war ein Erfolg. Er hats dann abgesetzt, weil er der Meinung war, dass sich die Probleme im Geschäft aufgelöst hätten und er sich auch ohne Concerta gut konzentrieren kann.

Leider kifft er auch seit einigen Jahren. Er sagt 1x pro Woche. Während der Lehrabschlussphase war es aber fast täglich. Nach intensiven Gesprächen mit ihm hat er nun reduziert. Er meint, es entspanne ihn. Ändert aber nichts an der grundsätzlichen Problematik. Er ist sich seiner Probleme durchaus bewusst und sagt immer, er arbeite daran. Manchmal fühlt er sich einsam, wer nicht!?

Ich versuche ihn immer zu motivieren sich auch mal bei seinen Kollegen zu melden und versuchen sich zu verabreden. Er sagt aber immer, er hätte keine Lust in Bars oder Clubs zu gehen, da alle Alkohol trinken. Er selber trinkt gar keinen Alkohol. Er möge es nicht, was das aus ihm macht. Er geht 1x pro Woche mit seinem besten Kollegen ins Kino. Damit ist er happy.

Ich müsste vielleicht mit ihm mal wieder über das Concerta sprechen, und ob er es nochmals nehmen möchte. Seine Dosis war auch sehr gering, ich habe aber einen Erfolg gesehen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass er es abgesetzt hat wegen der Wechselwirkung mit dem Cannabis. Das sagt er mir natürlich nicht und schiebt die fehlende Problematik im Betrieb vor.

Es bleibt spannend.

Woher seid ihr? Wir kommen aus dem Thurgau.

Herzliche Grüsse Claudia
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