Angst vor dem Loslassen.....

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CéliNico
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Beitrag von CéliNico » 14. März 2009, 09:04

Guten Morgen zusammen,

jede Mutter hat Angst sein behindertes/krankes Kind fliegen zu lassen. Weïl je älter das Kind wird umso stärker ist die Verbindung.

Ich lebe ja gerade in dieser Situation seit 5Wochen. Mir wurde richtig übel vom Auf und Ab wie Angst Céline gehen zu lassen.....
Ausgestanden ist es immer noch nicht. Ich muss ständig um 2.Meinungen fragen und werde dann auch noch von einer dipl. Pflegefach beleidigt, zusammengestaucht. Sie meinte sogar ich solle doch gleich das Krankenhaus wechseln oder Céline nach Hause nehmen. Denn sie müsse nicht mehr hier sein.......

Vor allem habe ich Angst vom Danach! Ich habe ja leider 2 schwerstbehinderte Kinder! Und bin selber 50% IV. Wie ganz alleine auf mich gestellt! Allein erziehend ohne Partner!

Ich wäre schon nur sehr dankbar wenn ich ein gesundes Kind noch hätte. Das würde mir in schweren Zeiten ein bisschen Halt geben.
Und ich weiss, ich könnte dann Céline und Nicola eher fliegen lassen, da ich eine Aufgabe mit dem gesunden Kind habe.
Das bestätigten mir sehr viele Bekannten.

@Flavia, ach Mensch du musstest auch als Kind viel durchmachen. Deine Mutter wird dasselbe durchgemacht haben wie wir Eltern jetzt.
JA, unser Herz sagt eben was anderes als unser Verstand.

Meine Pfarrerin meinte:

Es tut mir leid, dass Celine so krank ist und Operationen brauchte.
Gell, Daniela, Du lässt sie gehen, wenn es dann Zeit ist. Celine wird sehr gut spüren, dass Du sie festhältst und sie wird in einem Loyalitätskonflikt sein, weil sie Dich nicht traurig machen will. Aber lass sie fliegen, wenn es Zeit ist, sag ihr, dass Du sie freigibst, auch wenn es für Dich hart ist. Meinst Du nicht, dass sie besser aufgehoben sein wird, dort, wo ihr Daheim wartet?
Ich hoffe, dass Du die Kraft findest, in erster Linie an sie zu denken und nicht an Dich.

Sie hat zwar Recht aber es schmerzt halt doch....
Und ich sage halt immer wieder, wenn ich noch ein gesundes Kind hätte dann wäre es leichter für mich.....

In diesem Sinne
Daniela
Ich 1970 mit Céline *30.4.2002/t29.8.2011+*Nicola 20.10.2003 beide: PCH-2 Werden nie Gehen,Sprechen,alleine Stehen,Sitzen+Essen können..aber dafür "Lachen"
14.6.2010 Florin: ASS
http://www.celinico.ch
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Beatrice
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Re: Angst vor dem Loslassen.....

Beitrag von Beatrice » 18. Januar 2021, 20:44

Hoi zäme

Oh, ich weiss gut, wie sich das anfühlt, zwar nicht direkt als Mami, aber als liebendes Gotti. Mein Patenkind hatte ein Ponsgliom, einen ganz bösen Hirntumor wo man gar nichts machen konnte. Auch er verlor mit der Zeit alle seine Fähigkeiten. Wir wussten es alle seit der Diagnose, dass wir Lukas verlieren werden und das war eigentlich schon fast so, als hätten wir ihn verloren. Er war 8 Jahre alt, als die Diagnose kam und er selbst hat uns, mir, der weinenden Patentante und seiner weinenden Mami mit tiefer Reife gesagt, er wollte es schön haben, so lange es geht. Er hat uns beigebracht, nur noch den heutigen Tag zu sehen - das Jetzt, das da ist und an diesem Tag und aus diesem Tag immer das Beste, was möglich ist, rauszuholen.
Die Angst vor dem Tag, an dem er gehen würde, war dadurch nicht ganz weg, aber nicht mehr so nah, denn wir konzentrierten uns immer auf den einen Tag, den er lebte, wir verwöhnten ihn oft - aber der begleitende Arzt riet uns auch, ihn die Erfahrung machen zu lassen, dass man mal mit ihm schimpft, wenn er wirklich Unsinn machte - das gäbe dem Kind das Gefühl von Normalität. Wir haben sehr selten mit ihm schimpfen müssen, aber tatsächlich war das etwas, das ihm auf andere Art gut tat.

Meistens lasen wir ihm jeden Wunsch von den Augen ab.. Als er starb, konnten wir uns damit trösten, dass wir wirklich alles, was noch möglich war, an Gutem und Schönem mit ihm zusammen gemacht haben. Er ging mit einem Lächeln, ganz leise.
Er wusste, dass er sterben würde, aber er hatte keinerlei Angst- er wurde nicht im Glauben erzogen von seiner Mutter, trotzdem sprach er vom lieben Gott und dass man sich nicht fürchten müsse, denn es sei ja ein LIEBER.

Liebe Grüsse
Bea
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Man sieht nur mit dem HERZEN gut.
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PapiPaddy
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Re: geht uns in etwa gleich :-S

Beitrag von PapiPaddy » 8. Mai 2021, 21:32

batida hat geschrieben: 4. Februar 2008, 18:31 wir lieben mael und unsere aufgabe ist es, ihn zu betreuen.. dafür zu sorgen, dass es ihm so gut als möglich gehen kann. - das tun wir gerne und so gut wir können

wenn er denn weg ist: leere...

weisst du: wir haben ein gesundes geschwisterkind. - mir wird allerdings immer wieder bewusst, was wir von unserer "grossen" alles verpassen, weil die situation einfach nicht zulässt, alles in vollen zügen zu geniessen. - als dreijährige wurde sie grosse schwester.. wenn der bruder gehen muss, ist sie um soviele jahre älter geworden und musste gerade in dieser zeit so selbstständig werden, dass sie dann kaum bereit sein wird, die lücke, welche mael hinterlässt, einfach zu füllen. - diesen anspruch habe ich aber auch nicht an sie... - sie ist eben so selbstständig, weil sie grosse schwester eines intensiv-kindes ist. - wir sind stolz auf sie und staunen auch hier immer wieder, wie anpassungsfähig unsere kinder sind.

meine angst gilt auch der partnerschaft.. jetzt funktionieren wir alle miteinander und nebeneinander für die familie vor uns hin.. aber was, wenn das kind, welches unsere zeit voll ausgefüllt hat, nicht mehr ist.. aprupt genommen???

ich habe meine berufstätigkeit gerne aufgegeben und lebe diese intensive zeit mit meinem sohn auch sehr intensiv mit. - im positiven sinne... aber, gelingt es mir denn wieder, "umzuschalten" auf "gesunde" familie? was fange ich dann wieder mit meiner zeit an? - die berufswelt hat mich ja wieder "vergessen" und dass der einstieg einfach wird, bilde ich mir nicht ein..

hoffentlich müssen wir das alles noch lange nicht erfahren... ich bete, dass ich mael irgendwann in sein eigenes leben entlassen darf. - die möglichkeit besteht.. die chance ist relativ gering.

das einzige, woran ich mich halten kann, ist der glaube, dass wir dann auch diese situation packen.. wir haben schon sovieles "geschafft".

wie du sagst: carpe diem!
Das sind sehr wahre Worte, die du da schreibst und ich kann dich da absolut nachvollziehen.
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