Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Hier könnt ihr alles einstellen, das nicht zu einem der oben angeführten Themen passt
Kastanie
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Re: Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Beitrag von Kastanie » 4. Juni 2011, 22:00

orphan hat geschrieben:Schulrecht aber keine Pflicht?
Also hier in der Schweiz ist Schulpflicht! Jedes Kind muss zur Schule. Keine Ahnung, was du mit deiner Aussage gemeint hast. Aber meine Kinder mussten alle zur Schule. Ob "gesund" oder "krank". Ich kenne kein "normales" Kind, das nicht zur Schule geht. Oder zumindest unterrichtet wird. Wie's bei "behinderten" Kindern rechtlich aussieht, weiss ich nicht so genau. Aber für alle anderen ist Schule Pflicht!

Stress? Wieso reagiert das Mädchen nicht mit "stress" wenn's fotografiert wird? Reporter da sind? Das macht nichts? Aber eine andere Betreuungsperson löst "stress" aus? Nur Fragen. Ich kenne die Krankheit zu wenig. Aber ich "kenne" inzwischen viele Kinder mit Stoffwechselkrankheiten inkl. mein eigener Sohn! Ich weiss nicht, ob ich mein Kind mit der "Öffentlichkeit" konfrontieren würde, wenn es auf jegliche Art von "Stress" derart heftig reagieren würde.
Genau das ist der springende Punkt, du weisst es nicht! Ebensowenig wie Du meine Hintergründe, unseren Alltag sowie meine Person kennst.
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orphan
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Re: Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Beitrag von orphan » 5. Juni 2011, 19:28

Genau. Etwas anderes hab ich auch nie behauptet. Je mehr darüber gesprochen wird umso unglaubwürdiger erscheint das Ganze. Leider. Und die vielen Artikel machen's auch nicht besser, weil man gar nicht mehr weiss, was man glauben darf und was nicht. Zudem gibt es viele Widersprüche. Und das wiederum ist für uns alle schlecht. Denn dann werden wir alle unglaubwürdig. Alle die wir Hilfe mit unseren behinderten Kindern brauchen könnten. Und das macht mich traurig. Die Auswirkungen merke ich sogar in unserer Nachbarschaft. Aber nur in negativer Form. Wir sind wieder einmal die, die überall um Geld betteln.
Ich "kenne" dich, "Kastanie", nicht. Da hast du vollkommen recht. Ich weiss nicht mal, wieso du betreffend diesem Artikel immer wieder schreibst. Ich kenne deine Motive, deine Hintergründe, deinen Alltag und deine Person nicht.
Aber ich weiss, dass es viele Schicksale dieser Art gibt - unseres inklusive. Ich kämpfe auch schon lange um Gerechtigkeit. Wir kämpfen auch vergebens gegen die Zeit. Denn dann, wenn vielleicht endlich etwas erreicht wird, lebt unser Sohn nicht mehr.
Eine schöne Zeit wünscht
orphan
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Beatrice
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Re: Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Beitrag von Beatrice » 5. Juni 2011, 20:01

orphan hat geschrieben:Schulrecht aber keine Pflicht?
Also hier in der Schweiz ist Schulpflicht! Jedes Kind muss zur Schule. Keine Ahnung, was du mit deiner Aussage gemeint hast. Aber meine Kinder mussten alle zur Schule. Ob "gesund" oder "krank". Ich kenne kein "normales" Kind, das nicht zur Schule geht. Oder zumindest unterrichtet wird. Wie's bei "behinderten" Kindern rechtlich aussieht, weiss ich nicht so genau. Aber für alle anderen ist Schule Pflicht!

Stress? Wieso reagiert das Mädchen nicht mit "stress" wenn's fotografiert wird? Reporter da sind? Das macht nichts? Aber eine andere Betreuungsperson löst "stress" aus? Nur Fragen. Ich kenne die Krankheit zu wenig. Aber ich "kenne" inzwischen viele Kinder mit Stoffwechselkrankheiten inkl. mein eigener Sohn! Ich weiss nicht, ob ich mein Kind mit der "Öffentlichkeit" konfrontieren würde, wenn es auf jegliche Art von "Stress" derart heftig reagieren würde.
Liebe Orphan
Im Grundsatz hast Du recht. Generell gilt in der Schweiz die Schulpflicht für alle, ob krank, behindert, gesund oder schwer erziehbar,kriminell oder suchtmittelabhängig.
Aber mit einem wirklich sehr triftigen Grund kann man eine Befreiung bekommen. Vermutlich hat Leas Mama diesen Grund vorweisen können und sie hatte dafür ärztliche Atteste, denn ohne ein Gutachten geht das gar nicht. Das weiss ich von meiner Schwester, die dies als Schulleiterin wissen muss. Und erst wenn das Gutachten anerkannt wird, kommt eine Befreiung zustande.
Das ist kein Sonntagsspaziergang, bis man das erreicht und vermutlich wäre es Leas Mami sehr lieb, wenn ihre kleine Lea wie alle anderen einfach in eine Schule könnte.

Ich verstehe nicht, warum Du hier so gegen Kastanie schreibst - ihr misstraust und ihre Gedanken in Frage stellst. Sie hat ein Recht, hier zu sein und ich persönlich freue mich darüber.

Ich kannte andere Kinder, die nie in einer öffentlichen Schule waren. Teilweise wurden sie dann im Kinderspital unterrichtet, doch wenn die Kinder so krank sind, fehlt ihnen häufig auch die Energie (nicht der Wille), aber die Kraft, sich zu konzentrieren und dran zu bleiben - wach zu bleiben. Luciano war eines dieser Kinder. Er hatte septische Granulomatose - diese Krankheit erlaubte es GAR NICHT, dass er in eine normale Schule gehen konnte. Lesen und schreiben hat sich Luciano selber beigebracht - als eine Art Selbsthilfe, denn in ihm gab es viele Gedanken, die nach draussen wandern wollten. Es gab manchmal Lehrer, die an sein Krankenbett traten -doch die merkten schnell, dass Mathe, Geometrie und so Sachen ihm für sein so spezielles Leben gar nichts brachten - und dass sie, die Lehrer viel mehr von Luciano - dem körperlich kleinen, aber geistig-seelisch grossen Buben lernen konnten.

Ähnlich geht es sicher auch Lea - was nützen ihr die Dinge, die man in der Schule lernen kann? Sie kann nicht sprechen, sich kaum bewegen, geistig ist sie wegen der Krankheit auch zurück - dazu kommt eben die Stresssituation - die extrem schnell erreicht wird, im übrigen schon durch eigene Bewegungen.

Ähnliche Gedanken hat sicher auch Daniela, denn ihre Kinder können ebenfalls weder gehen, noch sprechen. Doch wenn ich sehe, wie Céline auf jede meiner Bewegungen neugierig die Augen in meine Richtung zu drehen versucht, wenn sie lächelt, wenn die Ratte kichert oder etwas umkugelt - dann denke ich, für sie ist die Schule spannend und anregend. Ihr tut sie gut. Bei Lea wäre das leider anders.

Dass Lea auf die Kamera-Menschen nicht gestresst reagierte, kann ich mir nur mit der Nähe zur Mama erklären, die da war, Vertrauen einflöste - Kinder haben feinste Antennen. Jedes Kind erträgt Schmerzen oder andere Unannehmlichkeiten leichter wenn es ihre Stimme hören kann, die körperliche Nähe spüren kann. Teilweise funktioniert das auch bei Erwachsenen, wenn ein sehr vertrauter Mensch am Krankenbett sitzt. Vielleicht hat Leas Mami Lea auch einfach abgelenkt oder die Kameraleute waren gar nicht ganz im Raum.
Sicher ist, dass Lea es überlebt hat und ich finde, das ist jetzt doch das Wichtigste.
Leas Mami kämpfte mit ihrem Beitrag auch nicht in erster Linie um Geld für sie persönlich, sondern um das Anliegen der persönlichen Assistenz, die wir auch für Kinder erreichen möchten - davon könntest auch Du, liebe Orphan zu gegebener Zeit durchaus profitieren können, bzw. Dein kranker Sohn.
Auch er wird es schätzen, die Nähe zu seiner Mami sein Leben lang fühlen zu dürfen.

Allen einen schönen Abend

Liebe Grüsse

Bea

Nachtrag: Hier noch was zu diesem Thema:
http://www.derbund.ch/bern/region/Lea-k ... y/25425781
Zuletzt geändert von Beatrice am 16. März 2014, 21:38, insgesamt 1-mal geändert.
Der Veranstaltungskalender des Forums wird laufend aktualisiert
http://www.dasanderekind.ch/phpBB2/viewforum.php?f=37

Man sieht nur mit dem HERZEN gut.
Antoine de Saint-Exupéry

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Kastanie
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Re: Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Beitrag von Kastanie » 5. Juni 2011, 21:26

Beatrice hat geschrieben:
orphan hat geschrieben:Schulrecht aber keine Pflicht?
Also hier in der Schweiz ist Schulpflicht! Jedes Kind muss zur Schule. Keine Ahnung, was du mit deiner Aussage gemeint hast. Aber meine Kinder mussten alle zur Schule. Ob "gesund" oder "krank". Ich kenne kein "normales" Kind, das nicht zur Schule geht. Oder zumindest unterrichtet wird. Wie's bei "behinderten" Kindern rechtlich aussieht, weiss ich nicht so genau. Aber für alle anderen ist Schule Pflicht!

Stress? Wieso reagiert das Mädchen nicht mit "stress" wenn's fotografiert wird? Reporter da sind? Das macht nichts? Aber eine andere Betreuungsperson löst "stress" aus? Nur Fragen. Ich kenne die Krankheit zu wenig. Aber ich "kenne" inzwischen viele Kinder mit Stoffwechselkrankheiten inkl. mein eigener Sohn! Ich weiss nicht, ob ich mein Kind mit der "Öffentlichkeit" konfrontieren würde, wenn es auf jegliche Art von "Stress" derart heftig reagieren würde.
Liebe Orphan
Im Grundsatz hast Du recht. Generell gilt in der Schweiz die Schulpflicht für alle, ob krank, behindert, gesund oder schwer erziehbar,kriminell oder suchtmittelabhängig.
Aber mit einem wirklich sehr triftigen Grund kann man eine Befreiung bekommen. Vermutlich hat Leas Mama diesen Grund vorweisen können und sie hatte dafür ärztliche Atteste, denn ohne ein Gutachten geht das gar nicht. Das weiss ich von meiner Schwester, die dies als Schulleiterin wissen muss. Und erst wenn das Gutachten anerkannt wird, kommt eine Befreiung zustande.
Das ist kein Sonntagsspaziergang, bis man das erreicht und vermutlich wäre es Leas Mami sehr lieb, wenn ihre kleine Lea wie alle anderen einfach in eine Schule könnte.

Ich verstehe nicht, warum Du hier so gegen Kastanie schreibst - ihr misstraust und ihre Gedanken in Frage stellst. Sie hat ein Recht, hier zu sein und ich persönlich freue mich darüber.

Ich kannte andere Kinder, die nie in einer öffentlichen Schule waren. Teilweise wurden sie dann im Kinderspital unterrichtet, doch wenn die Kinder so krank sind, fehlt ihnen häufig auch die Energie (nicht der Wille), aber die Kraft, sich zu konzentrieren und dran zu bleiben - wach zu bleiben. Luciano war eines dieser Kinder. Er hatte septische Granulomatose - diese Krankheit erlaubte es GAR NICHT, dass er in eine normale Schule gehen konnte. Lesen und schreiben hat sich Luciano selber beigebracht - als eine Art Selbsthilfe, denn in ihm gab es viele Gedanken, die nach draussen wandern wollten. Es gab manchmal Lehrer, die an sein Krankenbett traten -doch die merkten schnell, dass Mathe, Geometrie und so Sachen ihm für sein so spezielles Leben gar nichts brachten - und dass sie, die Lehrer viel mehr von Luciano - dem körperlich kleinen, aber geistig-seelisch grossen Buben lernen konnten.

Ähnlich geht es sicher auch Lea - was nützen ihr die Dinge, die man in der Schule lernen kann? Sie kann nicht sprechen, sich kaum bewegen, geistig ist sie wegen der Krankheit auch zurück - dazu kommt eben die Stresssituation - die extrem schnell erreicht wird, im übrigen schon durch eigene Bewegungen.

Ähnliche Gedanken hat sicher auch Daniela, denn ihre Kinder können ebenfalls weder gehen, noch sprechen. Doch wenn ich sehe, wie Céline auf jede meiner Bewegungen neugierig die Augen in meine Richtung zu drehen versucht, wenn sie lächelt, wenn die Ratte kichert oder etwas umkugelt - dann denke ich, für sie ist die Schule spannend und anregend. Ihr tut sie gut. Bei Lea wäre das leider anders.

Dass Lea auf die Kamera-Menschen nicht gestresst reagierte, kann ich mir nur mit der Nähe zur Mama erklären, die da war, Vertrauen einflöste - Kinder haben feinste Antennen. Jedes Kind erträgt Schmerzen oder andere Unannehmlichkeiten leichter wenn es ihre Stimme hören kann, die körperliche Nähe spüren kann. Teilweise funktioniert das auch bei Erwachsenen, wenn ein sehr vertrauter Mensch am Krankenbett sitzt. Vielleicht hat Leas Mami Lea auch einfach abgelenkt oder die Kameraleute waren gar nicht ganz im Raum.
Sicher ist, dass Lea es überlebt hat und ich finde, das ist jetzt doch das Wichtigste.
Leas Mami kämpfte mit ihrem Beitrag auch nicht in erster Linie um Geld für sie persönlich, sondern um das Anliegen der persönlichen Assistenz, die wir auch für Kinder erreichen möchten - davon könntest auch Du, liebe Orphan zu gegebener Zeit durchaus profitieren können, bzw. Dein kranker Sohn.
Auch er wird es schätzen, die Nähe zu seiner Mami sein Leben lang fühlen zu dürfen.

Allen einen schönen Abend

Liebe Grüsse

Bea
Liebe Beatrice
Lea war nicht nie in der Schule. Ich hab dieses Bild Ihrer Freude wenn wir jeweils am Strassenrand auf Taxi warteten, noch oft vor Augen und vorallem im Herzen. Wir hatten hier Jahrelangen täglichen Stress, Behördenstress. Wie wahrscheinlich so viele Betroffene. Da dieser in unserem Hause nichts zu suchen, musste er weg. Und ich hoffe und wünsche mir für alle das sich bald etwas verändert. Danke für Hydrozy...infos, doch Lea hat eine D/L, anfangs dachten Sie das es sich um eine Mischform von D + L handelt, mittlerweile wurde dies wieder relativiert.
Lieber Gruss Stefanie
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Re: Der Fall von Lea aus Bern, im Blick

Beitrag von orphan » 5. Juni 2011, 22:43

Jetzt hab ich gerade einen langen Bericht geschrieben und es hat alles gelöscht. Also nochmals in Kürze.

Ich verstehe nicht, wieso alle auf mir rumhacken.
Es geht weder um Kastanie, noch um Stefanie und Lea oder andere. Es geht um das Thema.
Ich habe nie gesagt, dass es nicht möglich ist, sich von der Schulpflicht zu befreien. Ich habe nur gesagt, dass in der Schweiz Schulpflicht ist.

Hier ein kurzes Beispiel. Das hat nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, wenn man aber ein bisschen darüber nachdenkt, kann man es gut im übertragenen Sinn verwenden:

Ich war mit meinem Sohn in der Notaufnahme im KISPI. Er hatte eine Platzwunde im Gesicht. Aufgrund seiner Grunderkrankung ist es sehr mühsam - was sage ich, fast unmöglich - mit ihm lange zu waren. Er war unruhig, hyperte umher und "jammerte".
Da waren aber viele Kinder in der Notaufnahme. Unter anderem eine Mutter mit einem Säugling. Das Baby hatte hohes Fieber und reagierte nicht normal. Der Kinderarzt wusste nicht weiter und hat die Mutter mit dem Baby in die Notaufnahme geschickt. Aber auch diese Mama wartete und wartete ...
Endlich kam eine Krankenschwester zu mir und meinem Sohn. Sie fragte: "Geht es noch mit warten? Sonst können wir sie vorziehen!". Ich schaute mich in der Notaufnahme um. Sah die weinenden, wartenden Kinder. Sah die Mutter, deren Baby es sehr schlecht ging. Es wäre so einfach gewesen "ja" zu sagen. Aber ich sagte: "Nein, nein, es geht schon. Wir warten, bis wir an der Reihe sind".
Hätte ich mich vordrängen sollen? Wollte ich verantwortlich sein, wenn einem der anderen Kinder etwas passiert, nur weil ich mit meinem behinderten Sohn nicht warten konnte?

Ich finde es richtig, dass behinderte Kinder unterstützt werden. Aber nur weil es Familien gibt, die mit dem was ihnen zusteht zufrieden sind, heisst es noch lange nicht, dass deren Kinder weniger Betreuung brauchen oder einfacher in der Pflege sind. Oder das diese Eltern weniger am Anschlag sind als andere.

Öffentliche Beiträge machen für mich nur Sinn, wenn die Tatsachen richtig geschrieben werden. Und das ist leider nicht so. Und Berichte, die nur teilweise stimmen, schaden mehr als sie helfen.

Das ist meine persönliche Meinung. In einem Forum kann man nicht davon ausgehen, dass alle die gleiche Meinung vertreten.
Eine schöne Zeit wünscht
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