Entlastungsaufenthalt / Integrativer Kindergarten

Hier könnt ihr alles einstellen, das nicht zu einem der oben angeführten Themen passt
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Sorano
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Entlastungsaufenthalt / Integrativer Kindergarten

Beitrag von Sorano » 12. Mai 2010, 22:33

Hallo zusammen
In knapp 2 Monaten schliesse ich meine Ausbildung als FABE (Fachfrau Betreuung Behinderte) ab. Die ersten zwei Lehrjahre absolvierte ich auf einer Wohngruppe für Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen. Das dritte Jahr nun auf der Externatsgruppe, in einem IV- Wohn- und Therapieheim für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderung.
Ab August studiere ich während zwei Jahren, berufsbegleitend Sozialpädagogik. Ich werde dann auf eine interne Wohngruppe wechseln, die im August startet und dort 50% arbeiten.
Wir bieten auch Entlastungsaufenthalte für Kinder an, jedoch sind die oft nicht so schwer behindert, wie unsere internen Bewohner.
Seit langem träume ich davon, in einer leerstehenden Villa in meinem Dorf, einen Integrativen Kindergarten (ein Drittel der Kinder sollte eine Behinderung haben, die restlichen zwei Drittel sollten gesund sein) im Erdgeschoss zu eröffnen. In den oberen zwei Stockwerken könnte man noch einen Entlastungsaufenthalt für Kinder und Jugendliche mit schweren Mehrfachbehinderungen anbieten. Dies in den Nächten unter der Woche, an den Wochenenden und in den Schulferien des Kanton Thurgaus.
Über Google bin ich nicht wirklich fündig geworden, wo es Möglichkeiten für Entlastungsaufenthalte gibt. Darum die Frage an euch, braucht es noch mehr Angebote zur Entlastung im Kanton Thurgau (Amriswil)??
Mein Traum ist momentan wohl noch etwas unrealistisch, desssen bin ich mir auch bewusst. Aber ich sehe die 2 Jahre des Studiums als grosse Chance, noch mehr zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und so meinem Traum ein Stück näher zu kommen.
Bin gespannt auf eure Antworten.... :D
Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu umarmen oder auf das Glück zu warten.
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chrigi
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Beitrag von chrigi » 15. Mai 2010, 06:14

Ich finde Du hast eine tolle Vision und ich drück Dir die Daumen, das Du Deinen Traum irgendwann verwirklichen kannst.
Ich weiss nicht wie gross die Möglichkeiten für einen Entlastungsdienst im Thurgau sind, hab nur mal gehört, das es eine solche Wohngruppe in Dussnang gibt.
Es wäre schön, wenn es mehr Menschen wie Dich mit solch einer Einstellung geben würde in der Politik und vorallem auch nur schon im Leben überhaupt. :)

Viel Glück und liebe Grüsse ins Thurgi

Christina
Wenn Gott eine Türe schliesst, dann öffnet er ein Fenster.
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orphan
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Beitrag von orphan » 17. Mai 2010, 16:57

Hallo

Das klingt toll. Schade, dass wir nicht im Kanton Thurgau wohnen. Ich bin aus dem Kanton Luzern und habe fast ein Jahr Entlastung für mich und meine Familie gesucht - bis ich einige wenige Möglichkeiten (allerdings nicht für nachts oder Wochenenden) gefunden habe.
Unser Sohn leidet an einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit und ist mehrfach behindert. Die Krankheit endet in einigen Jahren tödlich (rückläufige Entwicklung).
Unser Sohn wird nun ab August an einer Sonderschule aufgenommen.

So gesehen, denke ich, dass es in der ganzen Schweiz mehr Entlastung für Eltern von behinderten Kindern geben sollte. Die Lösung, die wir nun einige Monate hatten, ist auch schon wieder vorbei. Mein Sohn ist anscheinend nicht tragbar ...!!! Bis zum Schuleintritt im August habe ich wieder keine Entlastungsmöglichkeiten.

Ich finde es sehr schön, dass du dich für behinderte Menschen einsetzt und deine Träume versuchst zu verwirklichen! Viel Erfolg dabei!

Gruss
orphan
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CéliNico
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Beitrag von CéliNico » 18. Mai 2010, 07:13

Guten Morgen,

ich kann mich den beiden anschliessen. Es wäre eine gute Idee von dir eine Institution zu eröffnen. Hoffe dein Traum wird war.
Wenn ich das Geld hätte, würde ich dies schon lange tun.

Es gibt in der Schweiz viel zu wenig Heime, vor allem für schwerst behinderte Kinder! Wie schon erwähnt, bei uns im Kanton Bern gibt es nur ein einziges Heim für schwerst beh. Kinder. Und dies ist immer voll besetzt! Es muss erst ein Kind sterben damit wieder ein Platz frei wird.
Der Staat denkt überhaupt nicht weit. Man sollte sich mal an diese Menschen, Politiker, wenden!
Wenn du Leute finden würdest die dieselben Gedanken und Wünsche haben wie wir, wäre ich dir dankbar wenn du dich bei den Politikern melden könntest. Vielleicht könnten wir alle mehr zusammen erreichen?!

Gruss Daniela
Ich 1970 mit Céline *30.4.2002/t29.8.2011+*Nicola 20.10.2003 beide: PCH-2 Werden nie Gehen,Sprechen,alleine Stehen,Sitzen+Essen können..aber dafür "Lachen"
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Sorano
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Beitrag von Sorano » 18. Mai 2010, 10:54

Hallo zusammen!
Vielen Dank für eure Antworten....
Bis jetzt wurde mein Traum eher belächelt. Ist auch ein wenig verständlich, ich habe noch keine konkreten Ideen / Möglichkeiten ihn umzusetzen. Ich bin auch sehr schnell von einer Sache begeistert, ziehe es dann aber auch durch.
@Daniela: Geld habe ich auch nicht... Ich bin vor 2 Jahren bereits zu Hause ausgezogen und mit dem Lehrlingslohn werde ich auch nicht reich. Die nächsten 2 Jahre verdiene ich mehr, benötige dann aber ein Auto, da ich ja auf die Wohngruppe wechsle und dafür möchte ich jeden Monat einen grösseren Betrag auf die Seite legen, so dass ich dann doch nur so viel übrig habe wie jetzt in der Lehre.
Es kann doch nicht sein, dass Kinder sterben müssen, damit ein anderes Kind wieder einen Heimplatz erhält.
Dann muss die Schweiz vielleicht einmal kapieren, dass es mehr Heime gibt.
Ich möchte keine private Instiution eröffnen, da dann das Geld sowieso immer zu knapp ist. Also MUSS ich sie staatlich machen können, und dann sind die Finanzen auch kein Problem mehr... :)
Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu umarmen oder auf das Glück zu warten.
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CéliNico
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Beitrag von CéliNico » 18. Mai 2010, 12:03

Hallo

ja, da reicht dein Geld auch nirgendswohin!
Damit du eine Instituion vom und mit dem Staat eröffnen kannst, musst du diese Menschen erst überzeugen und Unterschriften sammeln damit die Regierung überhaupt einsieht dass es mehrere Heime braucht!
Deswegen meinte ich auch, wenn du gut im Schriftwesen bist, dann setze einen Brief an die Politik auf. Und suche Eltern die eben eine Unterschrift dazu beitragen. Z.B. ich würde sofort unterschreiben! Und einige hier bestimmt auch.

Und es ist wirklich so, dass erst ein Kind sterben muss damit ein Platz frei wird! Darfst gerne selber im Z.E.N. anrufen.

Es braucht eben Menschen die das Thema angehen können. Ich selber weiss nicht wie ich alleine die Politiker ansprechen könnte. Gut, einen Artikel im Bund wird diesen Samstag erscheinen. Dort wird über mein Schicksal geschrieben. Aber ob dies die Politiker lesen und verstehen? Dies ist fraglich...

Gruss
Daniela
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Sorano
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Beitrag von Sorano » 18. Mai 2010, 13:08

Hallo Daniela
Vielen Dank für deine Antwort...
Meine Eltern sind Sekundarschullehrer. Ich bin eher sprachlich begabt, als mathematisch, somit sind solche Geschäftsbriefe kein Problem.
Viele Menschen loben einen, wenn man mit Menschen mit Behinderung arbeiten. Viele drücken ihr Mitgefühl für diese Menschen aus. Vielleicht verstehen darum viele nicht, warum es mehr Heime benötigt und denken es sei sinnvoller wenn ein Kind stirbt, da es ja nur leidet, wenn es über die Sonde ernährt werden muss, nicht sprechen oder gehen kann?
Vielleicht sind auch Berührungsängste da oder man weiss schlicht und einfach nicht, wie mit einem Mensch mit Behinderung umzugehen.
Ich möchte gerne die Gesellschaft sensibilisieren und ihnen zeigen, was sie verpassen wenn sie so auf Abstand gehen.
Die Zeit während dem Studium möchte ich intensiv nutzen, um zu prüfen wie und wann ich diese Idee umsetzen kann.
Hei Daniela, es isch würkli meega wie du dich für dini Chind isetzisch!! Da schafft nid jedes Mami!!
glg dyvonne
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Beitrag von CéliNico » 18. Mai 2010, 15:34

Liebe Yvonne,

da hast du recht was du schreibst.

Viele Menschen loben einen, wenn man mit Menschen mit Behinderung arbeiten. Viele drücken ihr Mitgefühl für diese Menschen aus. Vielleicht verstehen darum viele nicht, warum es mehr Heime benötigt und denken es sei sinnvoller wenn ein Kind stirbt, da es ja nur leidet, wenn es über die Sonde ernährt werden muss, nicht sprechen oder gehen kann?

Aber diese Kinder leiden eben nicht wenn sie künstlich ernährt werden. Und sie sind trotzdem glücklich auch wenn sie nicht sprechen können.

Viele Menschen sehen behinderte Menschen nur als LAST hier auf dieser Welt. Sie bringen ja nichts ein. Sie kosten ja nur für den Staat, also auch für die Steuerzahler/innen. Deswegen denken viele Menschen, übrigens sogar in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis, man sollte die behinderten Kinder einfach sterben lassen. Sie denken auch, dass diese Menschen im Leben nichts erreichen können. Weil sie nie selbständig werden und einen Beruf erlernen können. Weil sie eben selber nie Geld verdienen können. Und deswegen meinen Viele, dass solche Menschen am besten gar nicht leben sollten oder am Leben erhalten bleiben dürften.

Auch in den Spitälern denken viele Ärzte so. Es ist ja nur ein behindertes Kind, also macht es nichts aus dass es stirbt. Es würde ja sowieso früher von hier gehen….

Aber an die Eltern von beh. Kindern denkt wohl niemand! Wir sind auch Menschen die Gefühle für unsere Kinder haben! Wir lieben unsere Kinder trotz Behinderung.
Mir geben Céline und Nicola Kraft. (Auch wenn ich manchmal an meine Grenzen stosse) Ich finde, sie haben ein Recht hier zu leben. Und sie sind ebenfalls glücklich und strahlen diese Energie aus. Es ist wichtig, dass sie so lange wie sie wollen leben dürfen.
Da darf niemand vom Staat, Ärzte oder das Volk über solche Gedanken bestimmen und ausführen.

Ansonsten dürfte ich ja auch nicht mehr leben. Hätte das Recht nicht mehr hier zu sein. Denn ich bringe dem Staat ja auch nichts mehr ein. Ich kann keinen Beruf mehr ausüben, durch meine starke Sehbehinderung und dem Wirbelgleiten. Aber ich kann auch nichts dafür dass ich so bin. Und ich lebe trotzdem gerne.
Es ist wirklich traurig wie viele Menschen denken. Ich glaube diesen Personen geht’s wohl viel zu gut und sie sind eben doch nicht zufrieden mit ihrem Leben?

Der Staat sollte sowieso als erstes alle Schweizer Bürger/innen unterstützen und zusehen, dass dort alles gut verläuft und dann kommt alles andere.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich vielleicht durch mein Schicksal an die Menschen gehen muss. Deswegen habe ich auch mein Buch herausgegeben. Und eine Fortsetzung folgt.

Durch Céline und Nicola wäre ich vielleicht nie dieser Mensch geworden welcher ich heute bin.

Es sollte noch mehrere Frauen mit deinen Gedanken geben! Dann sollte man zusammen kommen und eben an die Regierung treten. Oder über's Fernsehen gehen.
Ich wünsche dir weiterhin gutes Studium!
Alles Liebe
Daniela [/i]
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Beitrag von orphan » 18. Mai 2010, 18:51

Ja, es wäre wirklich schön, wenn man mehr für behinderte Kinder machen könnte. Ich würde das auch sofort unterstützen. Ich liebe meinen Sohn über alles und er liebt es mit anderen zu spielen. Aber keiner will mit ihm spielen. Die anderen wollen ihn nicht verstehen und er kann die anderen nicht verstehen! Und die Eltern sind da nicht anders ... es ist schwierig, Anschluss zu finden, wenn man ein behindertes Kind hat.
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Sorano
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Beitrag von Sorano » 18. Mai 2010, 21:17

Ich möchte diese Eltern nicht allzu sehr in Schutz nehmen, aber ein wenig versuchen sie zu verstehen...
Es sind doch noch so viele Vorurteile da; Aids ist per Händedruck übertragbar? Eine Behinderung vielleicht durch Augenkontakt.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Eltern gesunder Kinder schlicht und einfach nicht wissen, wie sie einem behinderten Kind begegnen sollen. Diese Unwissenheit entschuldigt ihr Verhalten jedoch nicht! Aus diesem Grund sind ja integrative Projekte wohl auch wichtig. Oder man müsste die Bevölkerung einmal richtig aufrütteln.
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Dani
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Beitrag von Dani » 24. Mai 2010, 21:01

Liebe Yvonne,
im Thurgau gibt es das Projekt Hängematte des Schweizer Kinderspitex mit Sitz in Horn.Das Haus ist in Romanshorn und ist jeden Monat ein bis zweimal geöffnet sowie eine Woche während den Sommerferien. Falls du Infos möchtest kannst du dich gerne an die Geschäftsführerin Frau Cornelia Hauser wenden. Sie kann dir wahrscheinlich am besten Auskunft geben. Hoffe diese Info hilft dir weiter. Sonst gibt es im Thurgau keine Institution die pflegebedürftige, behindertze Kinder zur Entlastung aufnimmt.
Mit lieben Grüssen
Daniela
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