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orphan
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Beitragvon orphan » 3. April 2013, 23:34

Hallo Zusammen

Ich schreibe "... einfach nur so ...". Irgendwie habe ich schon lange keine Themen mehr, über die ich berichten könnte. Irgendwie ist alles Alltag / Routine geworden. Die Probleme sind zwar nicht kleiner geworden ... nicht weniger schlimm ... aber eine gewisse Resignation hat sich eingestellt. Das "auf der Suche nach etwas sein" habe ich aufgegeben, weil es so wie man es brauchen kann, sowieso nicht existiert. Keine Kontakte. Keine Entlastung. Keine Neuigkeiten in der Forschung. Keine Antworten auf Fragen in Bezug auf die Erkrankung meines Sohnes.

Letzte Woche waren wir in der Kinderklinik. Notfall. Nicht wirklich tragisch. Nur eine aufgeplatzte Augenbraue. 4 Stiche nähen und wir konnten wieder gehen. Dafür haben wir aber fast 3 h gewartet :) ...
Wie immer um diese Jahreszeit stehen bei uns Jahreskontrollen an. Diverse. Noch immer können die diversen Untersuche nicht so koordiniert werden, dass man nur an einem Tag gehen müsste.
Eigentlich alles Routine ... ausser, dass mein Sohn jetzt im Rollstuhl fährt oder gefahren wird. Einerseits einfacher und anderseits doch komplizierter :) . Auch das wird zur Routine ... zum Alltag werden.

In den Fasnachtsferien waren meine Kids alle krank. Einzeln oder zusammen. Mal gesund ... dann wieder krank. Es dauerte zwischen 10 Tagen und einem Monat, bis alle wieder in die Schule konnten. Die Grippe hat meinen behinderten Sohn einen Monat gefordert. Er ist im Februar keinen Tag in die Schule gegangen ...

Überall wird gefordert, verlangt, man muss geben, hetzen, immer überall sein und alles so schnell wie möglich erledigen. Zurzeit hätten wir Ferien aber mein Mann muss arbeiten. Ferien vom Arbeitgeber kurzfristig abgesagt.

Wo führt das hin? In letzter Zeit frage ich mich oft, was habe ich davon. Wo bleibe ich. Wer ist für mich da? Dann denke ich, dass ich egoistisch bin. In jedem Satz ICH. Bin ich wirklich so wichtig? Wahrscheinlich nicht.

Aber wann ist genug? Keine Ahnung.

... einfach nur so ... wieder einmal mit jemandem gesprochen. Das kommt selten vor. Bin gespannt, ob jemand eine Antwort hat :) .

Lasst es euch gut gehen.
Eine schöne Zeit wünscht
orphan
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Beatrice
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon Beatrice » 4. April 2013, 20:59

Liebe Orphan

Schon länger habe ich Dich im Forum vermisst, wollte auch schon mal nachfragen, dachte dann aber, vielleicht ist alles grad zu hektisch im Alltag oder Du brauchst Abstand oder was ganz schön gewesen wäre - verlebst eine Zeit ohne grössere Probleme.
Nun, da Du zurück bist, mit diesem "einfach nur so.."-Text, der einen ganz innen berührt, weiss ich, wo ich richtig lag. Und wo auch nicht.

Nun, ich kenne Dich jetzt zwar ja nicht persönlich, doch eines weiss ich bestimmt. Du bist eine liebende Mutter, immer, immer, immer da für Deine Kinder und auch noch Deinen Partner. Liebende Mütter, liebe Orphan, sind das Höchste, was eine Familie in sich trägt. Und in aller Hingabe, aus der Du lebst, gerne gibst und alles machst, was die sogenannten Pflichten vorschreiben und mit -dem, was Dein Herz zu geben hat, Deine Liebe zu all Deinen Liebsten - ist es so wichtig, dass Du auch mit dem ICH denkst.
Gibt es einen Tag in der Woche, wo Du etwas nur für Dich machst, während einigen Stunden? Ein Hobby pflegst - singen, nähen - was auch immer. Einen Ort, wo Du darfst und nicht musst?
Das wäre so wichtig für Dich, Deine Gesundheit, seelisch- körperlich -wir alle sind eine Einheit aus beidem. Es spielt alles zusammen.

DU bist wichtig, und wie! Was wäre Deine Familie ohne Dich? Nichts geht über eine liebende, sorgende Mami, die immer da ist oder sagen wir, fast immer, mit Ausnahme eben dieser Stunden, die sie sich für sich selber Zeit nehmen darf und sollte.
Das wäre dann eine Gelegenheit für Deinen Mann, da zu sein - idealerweise ist das dann wohl an einem Abend.
Apropos Mann -mit welchem Grund hat der Arbeitgeber die Ferien kurzfristig stornieren können? Das darf nämlich arbeitsrechtlich kaum je gemacht werden, es sei denn, es gibt einen wirklich triftigen Grund - der muss aber enorm wichtig sein. Einmal zugesagte Ferien dürfen nicht einfach wieder gestrichen werden.

An so vielen Orten musst Du dann warten, 3 Stunden für eine 4Stich-Naht - wenn Du im Stundenlohn Mami wärst - hoppla. ich habe auch das Gefühl, sowas macht man nur mit Müttern oder Arbeitslosen, wobei die Zweiteren meistens bei weitem nicht so viel nebenher tun wie Ihr Mütter.
Ich kann den Stress mitfühlen, der sich in Dir bildet, während des Wartens, wenn Du weisst, was zu Hause noch alles getan werden sollte, es ist unmöglich, sich dabei zu entspannen, zumal man ja noch ein verletztes Kind neben sich hat. Geben, Geben, Geben - Trost, Zeit, Liebe, Geduld für andere.
Wie im Hamsterrad - so sehe ich Dich vor mir - der Atem wird mit der Zeit knapp. Die Müdigkeit ist längst da, aber das Rad dreht sich. Und selbst wenn Du liegst, abends im Bett, ist da immer ein wachsames Ohr unbewusst da, um jedes wichtige Geräusch zu hören, denn Du bist eine liebende, sorgende, fürsorgliche, pflegende Mami - aus vollem Herzen, mit ganzer Kraft. Dass die Kraft schwindet, das spürst vielleicht "nur" Du und jene, die Deinen Text mit dem Herzen und der Seele lesen.
Wie gut, dass Du schreiben kannst. Und wie gut Du schreiben kannst - eindringliche Worte. Es kann ein Ventil werden - das Schreiben. Auch eine Form der Selbsthilfe - das weiss ich selber von mir.
Doch genauso wichtig wäre ein einfühlsames Gegenüber. Nur, wo finden, ohne Zeit bzw. ohne frei verfügbare Zeit? Dein Hamsterrad dreht sich noch immer. Und die Erschöpfung wird eines Tages kommen, ganz, trotz allem Willen dagegen zu steuern.

Vielen Eltern besonderer Kinder wirst Du mit Deinem Text aus der Seele geschrieben haben. Ich bin jetzt zwar nicht Mami eines besonderen Kindes und vielleicht denkst Du, dann kann ich das nicht wirklich wissen. Das stimmt an sich, doch ich kann mich einfühlen und ich habe viele Berichte von Eltern gelesen, als es mir mit dem Lesen noch besser ging.

Angenommen es flöge eine gute Fee bei Dir vorbei, hast Du Gedanken oder Wünsche in Dir, die Du ihr antragen könntest? Fühlst Du, was Du brauchen oder was Dir Freude machen würde?
Meine Schwester, die sich ihrem Freund eine Weile total unterordnete, gefühlsmässig, und auch eine seelische Krankheit durchmachte, hatte auf meine Frage nach ihren eigenen Träumen und Wünschen lange keine Antwort, als ich mit ihr ein Gespräch führte. Dann sagte sie, sie habe ihre Träume vergessen. Dass dies der Anfang vom Ende ist, hat ihre Therapeutin dann gemeint, aber auch der Anfang einer neuen Zukunft sein kann, in der Träume wieder einen Platz bekommen und einen Ort, wo sie gelebt werden können - auch Hobbies gehören dazu.
Als meine Schwester einen alten Traum wieder in sich aufgestöbert hatte und sich daran machte, sich diesen Traum zu erfüllen - ohne den Freund- ganz alleine (zu Anfang mit einem höllisch schlechten Gewissen - ihm gegenüber), da ging es bergauf. Heute lebt sie wieder gerne und sie hat begonnen, Harfe zu lernen und sie nimmt Singunterricht. 2 wunderbare Dinge, die den Ausgleich schaffen zu einem sehr anstrengenden Job als Schulleiterin.

Ich würde es Dir so von Herzen wünschen, ohne Dich richtig zu kennen, aber wissend darum, dass Du es brauchst und es enorm wichtig ist für Dich (so wie es wichtig ist für jeden Menschen), dass Du etwas Raum für Dich selber findest in Deinem Alltag, wo Du entspannen, auftanken, Freude oder Erfüllung spüren darfst und Deine Seele und Dein Körper sich wohlfühlen dabei - im Annehmen von einer Gabe, vielleicht einer wohltuenden Massage, einer Atemtherapie, einer Stunde Osteopathie oder im etwas Selber machen, das Du gerne tust - das vielleicht keinem anderen einen Nutzen bringt, aber Dir Spass macht.
Egoisten sind jene, die fast nie etwas für andere machen, immer nur an sich denken und für sich schauen und alles Beschwerliche anderen überlassen. Liebe Orphan, ohne Dich jetzt ganz gut zu kennen, das weiss ich mit absoluter Sicherheit - eine Egoistin bist Du ganz bestimmt nicht.

Darum für heute- liebe Orphan, ganz gemäss Deinem Abschiedswort an uns -
Lass es Dir gut gehen, wirklich gut gehen, lebe Deinen Traum, sei gut zu Dir und lass es DIR gut gehen.

Von ganzem Herzen liebe Grüsse und viele gute Gedanken sendet Dir

Bea
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon orphan » 5. April 2013, 00:41

Ach, liebe Bea, Du schreibst immer so wundervolle Berichte. Vielen lieben Dank.

Du hast genau erfasst, wie es mir geht. Du wärst eine wundervolle Therapeutin.

Ich bin immer im Forum. Fast täglich schaue ich, ob es neue Berichte gibt. Lese die vielen Informationen von dir. Aber zu schreiben gibt es nicht wirklich viel.

Der Vergleich mit dem Hamsterrad lässt mich schmunzeln :) !

Ich wüsste tatsächlich nicht, was ich der Fee sagen würde. Ich fühle nichts - da ist gerade nur Leere. Obwohl ich versucht habe - immer wieder - etwas für mich zu finden, das mich glücklich macht, funktioniert es nicht wirklich. Tatsächlich habe ich letztes Jahr einen Verein mitgegründet. Eine Arbeit, die mir eigentlich Spass macht. Aber nach einiger Zeit merke ich, dass die Arbeit, die ich als Präsidentin leisten sollte, immer mehr Pflicht wird, weil mir einfach die Zeit fehlt. Ich fühle mich egoistisch, wenn ich dauernd Zeit brauche, um noch das und jenes für meinen Arbeitgeber oder jetzt auch für den Verein zu erledigen.
Ich habe mir auch schon Zeit genommen, zur Entspannung. Um zur Ruhe zu kommen. Aber wenn ich dann höre ... ist das erledigt ... wo ist das und jenes ... dies und das müsste auch noch ... wieso hast du nicht ... überlege ich mir zweimal, ob ich mir die Zeit dafür tatsächlich noch nehmen soll. Mittlerweilen überlege ich soviel, dass ich nicht mal mehr Zeit und Lust habe, mit jemandem Kaffee zu trinken.

Mir ist klar, dass der Job, den ich zu Hause mache, wichtig ist. Ich denke aber manchmal, dass es eigentlich egal ist, wer das macht. Es geht nicht um mich als Person sondern nur darum, dass alles funktioniert.

Im Grunde geht es mir nicht schlecht. Ich habe einiges erreicht in den letzten Jahren. Unser Leben auf die Gegebenheiten der Krankheit unseres Sohnes angepasst. Körperlich gesund. Trotzdem fühle ich mich leer.
Obwohl ich immer gesagt habe, dass es mir wichtig ist, mich selbst zu bleiben, habe ich mich verloren. Irgendwann. Obwohl ich täglich da bin, gibt es mich nicht mehr.
Eine schöne Zeit wünscht
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon Beatrice » 5. April 2013, 23:09

Liebe Orphan

Du gute Seele, du wärmende Kerze der Familie und des Vereines, bist auf dem besten Wege auszubrennen! Du spürst es, weisst es vermutlich auch und kannst es doch nicht stoppen. Das ist typisch für diesen Zustand -eine Kerze, die sich verzehrt, ein Ofen, der nicht aufhören kann, noch die Asche zu verbrennen braucht dringend Hilfe von jemand anderem.
So viele reden heute von Burnout - meistens trifft das wunderbare Menschen, hilfsbereite, sorgende, fleissige Menschen - und Menschen, die kaum je Egoisten sind - Ganz im Gegenteil.
Und ich bin ehrlich, bei mir schrillen die Alarmglocken - genau dieses Gefühl, das Du beschreibst, genau dieses Dasein und doch nicht mehr, das ist das Spezielle am Burnout - da findet kaum jemand alleine raus.
Aber es gibt Hilfe, doch Du musst sie Dir holen und gönnen, bitte -für Dich, für all die Träume, die Du einmal hattest, für alles, was Dir im Leben wichtig ist - und das, was Ballast ist, auch das Präsidialamt, zumindest im Moment, wirf es ab. Du trägst auch ohne schon zuviel.

Bitte gestehe Dir ein, dass Du Hilfe brauchst - das ist keine Schwäche - das ist sogar eine ganz grosse Stärke, sagen zu können, "ich kann jetzt nicht mehr alleine immer noch mehr und mehr verkraften. Damit ich überhaupt wieder einmal etwas kann, muss ich jetzt nur noch für mich da sein."

Jene, die Dich jetzt noch stressen, vom Verein, die das Gefühl haben, Du müsstest das und jenes lieber schon heute als morgen machen, jenen sage, was Sache ist: Entweder es hilft Dir ab sofort jemand dabei, oder Du trittst per sofort zurück - denn so geht es nicht mehr.
Was denken sich die denn? Dein Tag hat auch nicht mehr Stunden - was ist es, was Du gemäss denen noch machen solltest? Papierkram? Presseauftritte oder was?
Heute schiebt man einfach alles dem Vereinspräsidenten ab. Viele erleben das und das ist der Grund, warum heute viele Vereine gar keinen Präsidenten/keine Präsidentin mehr finden

Weisst Du, als ich erfahren habe, dass Du Präsidentin wirst, da habe ich noch gedacht -wo nimmt sie dafür nur noch die Kräfte her?
Mehrfaches Mami, arbeitstätig, ein besonderes Kind, das sehr viel Betreuung braucht, eine Familie, die noch bekocht werden sollte, ein Haushalt, der sich auch nicht alleine macht.
Sag, weiss Dein Mann, wie es in Dir aussieht? Wir "starken Frauen" sind ja Meister im Vertuschen - ich kenne das selber, manches will man lieber nicht thematisieren. Und Männer sind da manchmal sowieso irgendwie "neben den Schuhen"- Verzeihung, aber so habe ich das empfunden. Bis manche von denen kapieren, was vor sich geht mit ihrer Frau, muss man denen vierfach in den Allerwertesten treten.

Könntest Du eine Familienhilfe in Deinem Haushalt annehmen? Wenn Du mit diesen Aussagen, die Du hier gemacht hast (ich danke Dir für Dein Vertrauen und Deine Offenheit), zum Hausarzt gehst, vorausgesetzt er hat eine spürende Seele, dann versteht er es und wird eine Familienhilfe in Betracht ziehen. Und kommt eigentlich auch Spitex zu Dir für Deinen Jungen, oder machst Du das immer alles alleine?

Gell, ich stelle viele Fragen. Aber das sind alles wichtige Faktoren, die helfen könnten, etwas abzuwenden, was sich in Riesenschritten nähert oder evtl. schon da ist - der Zusammenbruch einer Persönlichkeit, die für sich selber und für andere wichtig ist.

Bitte zweifle nicht an Deinem Wert, und behandle Dich so freundlich, wie Du es bei Deinen Kindern tust -fürsorglich.
Mir gibt es Zuversicht, dass Du schreiben kannst und noch Worte hast - Kommunikation ist jetzt wichtiger denn je. Nicht vergeblich macht man Gesprächstherapie, etwas äussern, abgeben, von sich geben im Sinn von Ballast, trübe Gedanken weggeben, jemand anderem verdeutlichen (idealerweise jemandem, der vielleicht auch Lösungswege kennt) - nicht fortlaufen, aber Abstand gewinnen von dem, was einem die Lebensenergie raubt - man kann das und vieles kann man tatsächlich im Gespräch.

Weisst Du, ich wäre gerne Therapeutin geworden - man hat aber gemeint, ich wäre zu sensibel. Ich wäre gerne Maltherapeutin geworden - dafür sah ich zuwenig. Doch als ich eine schwere Krankheit hatte, da war ich mir selber eine wichtige Therapeutin -ich schrieb mir alles von der Seele, lange bevor jemand kam, mit dem ich sprechen konnte. Manchmal sind einem die Nächsten zu nah, so war das bei mir. Ich brauchte eine Fremde, aber doch genügend vertraute Person, ausserhalb der Familie aber. Und als dann so jemand kam, konnte ich all das Geschriebene vorlegen, und das Gemalte zeigen -und auf dieser Basis haben wir weitergearbeitet.

Darum liebe Orphan, lass Deine Worte strömen (und damit Deine Gefühle, jene, die Du jetzt noch spürst, kommen) Atme so tief in den Bauch hinein, wie es noch geht und wenn sich Tränen lösen sollten, lasse sie strömen -es kann entlasten, der zu sehr eingeschnürten Seele wieder etwas Raum geben, wenn etwas vom Druck abfliesst. Bleibe ehrlich zu Dir und sei Dir gut.
Und gib die Überlasten ab. In Deinem Verein weiss doch jeder, was Du nebenher noch alles hast. Sag, Du hast das Amt unterschätzt. Das ist eine absolut legitime Aussage und sie trifft zu. Es ist mehr, als Dir drin liegt neben dem Familiären. Das ist ehrlich.
Sollen jene anpacken, die jetzt stürmen -mal alleine dieses Amt machen - sie kommen dann vielleicht auch an den Anschlag - recht so, Nachher stürmen sie sicher nicht mehr.
So, wie es Dir jetzt geht, brauchst Du jede Restzeit, die irgendwo bleibt für Dich. Jetzt musst Du Egoistin sein, für dich scheffeln, für Dich wieder Kraft tanken, die Vorräte füllen und nach Deinen Träumen Ausschau halten. Und Dich belohnen, Dir etwas Gutes gönnen und Dir eine Therapie "leisten" (Gesprächs-, Schreib-, Mal-, Tanz-, Sing-, Schrei- oder Gestaltstherapie) Was es auch sei, etwas, das Dir hilft und Dich aufbaut.
Wenn Du nachts noch träumst, schreibe dies auf. Träume können einem sehr viel sagen. Psychologen verstehen meistens recht viel von Träumen.

Du liegst mir am Herzen, wirklich. Und Du bist eines der kostbarsten Forumsmitglieder. Allein, was Du hier im Forum schon alles bewerkstelligt hast - wie Du seinerzeit Daniela geholfen hast mit dem Antrag. Wie Du vielen einen guten Tipp vermittelt hast. Sicher spreche ich nicht nur für mich.
Nur können es vielleicht nicht alle so ausdrücken.

Ich bin zu weit weg von Dir, um wirklich mal etwas für Dich zu tun, damit Du Freiraum hast - Posten gehen, den Haushalt schmeissen mal für eine Weile. Seit ich wieder eine Arbeit habe (was ja schön ist), kann ich aber eben auch nicht mehr spontan beschliessen, mal so zu jemandem zu fahren und etwas zu helfen. Und ich soll mich ja gerade auch selber schonen.

Was kann ich also für Dich tun? Sicher zuhören, mitlesen, mitdenken -wenn Du lieber per PN möchtest, auch gut. Aber wichtig finde ich, dass Du noch jemanden zu Hilfe holst- eine Professionelle Person -auch das ist legitim, falls Du das anzweifelst. Jeder kann mal Hilfe eines anderen brauchen- egal welcher Art - manche brauchen das ihr Leben lang - andere nur für eine besonders schwere Zeit, wie Du sie jetzt erlebst.

In herzlicher Verbundenheit und mit ganz lieben Grüssen und Gedanken

Bea

Vielleicht veranschaulicht mein Gedicht "Worte" noch etwa mehr

Worte
°°°°°°

Immer wieder
in jeder noch so schwierigen Situation
helfen mir Worte
Bedürfnisse zu äussern
Gefühle auszudrücken
Ängste zu beschreiben
Dankbarkeit zu vermitteln
den Weg zu meinen Mitmenschen zu finden.

Doch wieviele Menschen verfügen nicht über Worte
können ihre Gefühle nicht ausdrücken
stehen wie hinter einer verschlossenen Tür,
brennen vor Gefühl und bekommen keine Linderung,
weil sie keinen Ausdruck dafür finden?

Wie viele werden so ewig missverstanden
wie viele finden deshalb nie ein offenes Gegenüber?
Wie viele stumme Hilfeschreie werden überhört,
überall auf der Welt, auch hier in allernächster Nähe?

Menschen Worte zu vermitteln
müsste eigentlich genauso wichtig sein
wie ihre Körper zusammenzuflicken!

Copyright by Bea Ladina Pfister, Dezember 1999
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon Flavia » 6. April 2013, 16:24

Hallo Orphan

Lange habe ich überlegt was resp. wie ich schreiben soll. Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf, leider habe ich nicht das Talent wie Beatrice diese gekonnt in Worte zu fassen!

Ich kann dir so gut nachfühlen!
Du hast ja die gleiche "Familienzusammensetzung" wie wir. (So habe ich es jedenfalls im Kopf)
Zwei Jahre nach dem Ältesten kommt der Behinderte, vier Jahre danach der Jüngste.

Ich komme mir oft vor wie in einem Flipperkasten, ich bin dabei die Kugel....sowohl physisch wie mental.

Die Arbeit im Geschäft (Praxis) ist für mich dabei noch die entspannenste Übung ;-)! Gell manchmal hat man einfach das Gefühl es geht nun gar nichts mehr und doch kommt immer wieder etwas dazu.

Wenn man selber für sich Zeit heraus nehmen kann fühle ich mich innerlich doch immer "auf dem Sprung".
Wenn ich mal zwei Stunden am Nachmittag Ruhe hätte (bei mir sind ja nun alle in der Schule) kann ich kaum in Ruhe etwas lesen. Ständig springe ich wieder auf, mache irgend was und versuche dann wieder zu lesen ;-)... Vielleicht ist es eine Frage der Zeit bis ich diese Ruhe habe :-D ?!

Das mit der Entlastung finde ich immer so eine Sache. Jemanden zu Hause zu haben empfinde ich auch immer als sehr anstrengend.

Wenn man die Kinder abgibt (z.B. organisierte Lager, Entlastungsdienste) müsste man so viel erklären, sowohl die Pflegenden wie auch die Kinder kennen sich gegenseitig ja überhaupt nicht.

Ganz abgesehen davon ist die Entlastung auch nicht gratis....

Alles Liebe wünscht dir Flavia
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon orphan » 8. April 2013, 19:35

Hallo Zusammen

Eigentlich wollte ich gar nicht so einen Wirbel machen mit meinem Text. Das ist mir nun fast etwas unangenehm.

Liebe Bea, die Diagnose "Burnout" hatte ich ja bereits schon ... vor drei, vier Jahren? So genau weiss ich es nicht mehr. Es war schwierig damals zum Arzt zu gehen. Aber ich ging. Ich ging auch zur Psychiaterin ... Psychologin? Kein Ahnung. Auf jeden Fall meinte sie nach der dritten Sitzung, dass sie mir nicht helfen könne und ich gar nicht mehr zu kommen brauche. Glaub mir, es liegt nicht daran, dass ich mich nicht traue, Hilfe zu holen oder beanspruchen. Es ist nur eher so, dass mir das Vertrauen daran abhanden gekommen ist ...

Ich habe mir damals auch eine Haushaltshilfe geholt. Und ja, leider ist es so wie Flavia sagt, Entlastung kostet. Ich zahle seit bald 3 Jahren eine Haushaltshilfe, die mir einmal in der Woche 3h im Haushalt hilft. Es ist Gold wert ... kostet aber auch Gold!
Mehr Entlastung haben wir nicht - ausser natürlich die Sonderschule. Die ist genial und ohne die würde es gar nicht gehen.
Spitex haben wir nicht, weil ich das selber zahlen müsste.

Den Job brauche ich. Des Geldes wegen und wegen der Arbeit ... obwohl ich zu Hause arbeite und es so auch nicht immer das Wahre ist! Es würde mir gefallen, wenn ich zum Arbeiten aus dem Haus käme.
Und der Verein werde ich im Moment nicht aufgeben. Weisst du, Bea, da geht es um ca. 150 Kinder, die ihren Therapieplatz verlieren könnten, wenn der Verein nicht weitergeführt wird ... nur deshalb wurde der Verein gegründet. Kinder, wie mein Sohn, die auf eine Therapie angewiesen sind ... da gibt es nur weitermachen und kämpfen. Für die Kinder!

Zusammenbrüche habe ich öfters ... langsam weiss ich damit umzugehen. Ich stehe immer wieder auf. Ich spüre aber, dass ich bald wieder an dem Punkt angelangt bin, an dem ich vor einigen Jahren war. Dahin möchte ich eigentlich nicht kommen. Wollte ich nie mehr. Leider weiss ich auch nicht, wieso ich nun trotz allem wieder da angelangt bin. Ich habe so viel versucht zu verändern. Habe daran gearbeitet, dass es nie wieder soweit kommt. Irgendwie habe ich das nicht geschafft. Momentan ist glaube ich einfach die Phase, in der es mir Angst macht und ich mich frage, ob das nun immer so bleibt.

Es wird ganz bestimmt wieder besser werden!

Bea und Flavia: Herzlichen Dank für eure Beiträge und Anteilnahme. Es hilft schon, wenn man weiss, dass man verstanden wird. Und Flavia, ja, unsere Familienzusammensetzung ist gleich. Nur, dass meine Jüngste erst 3 Jahre alt ist und noch den ganzen Tag zu Hause ist!

En liebe Gruess
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon Flavia » 8. April 2013, 20:36

Hallo Orphan ( und andere Eltern)

In deiner Situation (noch ein Kleines zu Hause) hat man ja nie eine Pause. Dies kann man klar nicht mehr mit unserer Situation vergleichen. Ich meinte eher ich kann dir nachfühlen, weil wir auch mal an diesem Punkt waren :-)!
Es wird dir wie ein rieiger Schritt vorkommen, wenn sie in den Kindergarten kommt.

Ich kann mir auch vorstellen, dass es viel schwieriger ist wenn das Kind kränker und/ oder behinderter wird. Ich denke hier nicht nur an die Gefühle der Eltern sondern auch an die Probleme mit der IV, der KK und dem ganzen Umfeld.
Die Familien die ich persönlich kenne die in soclhen Situationen stecken müssen immer wider "beweisen" dass das Kind nun wirklich dieses und jenes Hilfsmittel braucht :-(!
Ganz zynisch gesagt, war es ein "Glück" dass unser Junge behindert und chronisch krank zur Welt kam und so gleich seine Geburtsgebrechensnummern bekam...

Alles Gute und ganz liebe Grüsse Flavia
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Re: ... einfach nur so ...

Beitragvon Beatrice » 8. April 2013, 22:04

Liebe Orphan

Etwas Wichtiges zuerst - keinesfalls finde ich, dass Du den Verein auflösen solltest - ich kenne ja den Hintergrund etwas und finde auch, dass es eine super Sache ist. Ich finde auch, dass wir darüber ruhig hier im Forum mal einen Beitrag schreiben könnten. Es ist eine supertolle, bislang in der Schweiz einzigartige Sache, die aber Schule machen könnte bzw. muss, weil es ja vielerorts gleich lätz läuft mit den Praxismieten wie bei Euch.
Ich finde nur, jemand könnte Dir doch im Präsidialamt unter die Arme greifen - Du bist ja nicht nur das Hausmütterchen, das nebenbei nicht viel zu tun und darum jede Menge Zeit für alles Mögliche hat - Du hast schon so viel.
Und wenn jetzt die Leute kommen, und meinen, Du müsstest das und jenes machen und hättest es längst tun sollen, und Du spürst, dass Du das momentan nicht leisten kannst, warum kann Dir da keiner helfen, andere Mitglieder aus dem Verein, die wissen, was Sache ist?

Als Du das Burnout hattest - musstest Du da die Familienhelferin bezahlen? Meine Cousine war früher, vor der Heirat, Familienhelferin. Sie kam oft zu Familien, wo eine Mutter körperlich oder psychisch erkrankt war und während der akuten Phase übernahm das dort oft die Krankenkasse.
http://www.smzo.ch/sites/de/spitex-haushalt

Dass Du so, nachdem Du das mit Deiner Seelenärztin erlebt hast, das Vertrauen verloren hast, kann ich sehr gut verstehen. Ich kenne solche unerbaulichen Erfahrungen auch. Nach einem traumatisierenden Erlebnis wurde ich noch in der Schulzeit zu so einer geschickt, zum Reden. Dabei konnte ich fast nicht reden, ich habe nach diesem Erlebnis damals nämlich zu Stottern begonnen und schämte mich, weil ich nicht mehr richtig reden konnte. Anstatt dass diese Ärztin also für mich einen anderen Weg gesucht hätte, wie ich mich ausdrücken konnte, verbrachten wir grundsätzlich mal einige stumme Stunden - die sie voll verrechnete! Und dann, in einer weiteren Schweigehalbstunde - sie fragte ja auch nie etwas, als ich wieder mal aufsah (ich hatte da eine eher gebückte Haltung - niedergeschlagen im wahrsten Sinne des Wortes eben), sah ich, dass sie am Stricken war! Das hat mir den Rest gegeben. Ich bin dann nie mehr gegangen, habe geschwänzt.
Später habe ich gelernt, dass es solche und andere gibt. Aber dass einem eine Ärztin, zu der man hilfesuchend geht, nach dem 3. Mal schon sagt, sie könne einem nicht helfen - ich denke, das war eine unfähige Person. Titel hin oder her.

Wenn Du in dich hinein lauschst, denkst Du eher, dass Du ENTLASTUNG brauchst oder dass Du AUFBAU benötigst? Entlastung kann Reden bedeuten, Schreiben oder eben, dass einem jemand eine Last abnimmt, die einem momentan zuviel abverlangt.
Aufbau wären dann Dinge, die einem gegeben werden, die seelisch oder körperlich stärken.

Ich werde seit mehreren Jahren selber mit einer besonderen Therapie begleitet. Mit der Atemtherapie nach Ilse Middendorf. Es liegt sehr viel Kraft in unserem eigenen Atem - so viel kann man selbst beeinflussen im Wohlbefinden - ich hätte das vorher nie für möglich gehalten.
Ich erlebe die Atemtherapie nach Middendorf als eine wunderbare Oase der Befreiung und Erholung wie auch als Aufbau körperlicher und seelischer Widerstandskraft.
Und die Atemtherapie nach Middendorf wird von den meisten Krankenkassen bezahlt, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt. Und Burnout ist eine der Indikationen, genauso wie Erschöpfungszustände und anderes mehr.
Ich könnte Dir das sehr empfehlen - es ist eine Körpertherapie, aber man bleibt angezogen.

Ich weiss ja, dass Dein Verein in Sursee/LU seinen Hauptsitz hat, also habe ich geschaut, ob es in Sursee eine Atemtherapeutin nach Ilse Middendorf gäbe -und siehe da, es gibt eine: Gertrud Hug-Lorenz.
Sie hat auch eine Homepage: http://www.atemblick.ch
Wenn Du dich mal einfach so informieren willst, klicke auf der Homepage das Inhaltsverzeichnis per PDF an, dann kann man alles sehen, was wichtig zu wissen ist.
Ich werde übrigens in Einzeltherapie behandelt von einer Middendorf-Therapeutin in St.Gallen.
Bei mir dauert die Behandlung jeweils eine Stunde.

Apropos Verein, hängt Ihr evtl. auch Werbeplakate aus in der Region? Also falls ja, darfst Du mir einige schicken. Ich komme immer mal wieder in Richtung Sursee (war ich gerade vergangenes WE) Ich mache ja auch ein wenig Werbung fürs Forum, vielleicht siehst Du es beim Posten im Coop oder Migros die nächsten Tage mal. Also bei so Gelegenheiten könnte ich auch noch was für Euch aushängen.

Ausserdem möchte ich Dir noch sagen, dass Dein Beitrag mit dem einfach nur so-Text ein sehr wichtiger ist/war. Mit Unwichtigem gebe ich mich grundsätzlich nicht ab, dafür wäre mir die Zeit zu kostbar - vor allem jetzt, wo meine Gesundheit -nun ja, auch nicht gerade so der Hit ist.
Du sprichst damit vielen aus dem Herzen, die sich vielleicht selber nicht getraut hätten, aber gleich oder sehr ähnlich empfinden.

Überhaupt, Du bist eine mutige und starke Frau, das fühlt man. Aber auch mutige und starke Frauen können viele Gefühle haben, und manche von ihnen sind wie Du und können diese auch zeigen oder benennen, das macht sie umso kostbarer. Und Du trägst Zuversicht im Herzen, auch das ist ein Lichtblick.

Es wird wieder besser werden, da bin ich auch ganz sicher.
Vielleicht ist es mit unserem Gemütszustand ähnlich wie mit den Jahreszeiten und evtl. bist Du momentan auch darum noch etwas "weiter unten", weil Dir wie so vielen das Licht fehlt. Als ich in Sursee war, da gab es dort den ganzen Tag kein bisschen Sonne - und eine Frau wetterte auf dem Bahnsteig auch, dass sie rüüdig den Anschiss hätte - seit Oktober habe es praktisch keine Sonnentage mehr gegeben hier.
Das allein wird es nicht sein, aber ich denke doch, wenn es draussen endlich richtig Frühling wird, kann auch eine Seele etwas aufblühen.
Ich merke das selber, dass mir die Sonne auch langsam wirklich fehlt, auch etwas die Wärme. Aber vor allem die Helligkeit und der blaue Himmel. Den Rest kann man mit Kleidung ausgleichen -nicht vergeblich hat mich ein Junge im Zug gefragt ob meine Jacke aus einem Zottelbärfell sei!

Ich habe hier im Forum schon einmal mein Gedicht "Die Hoffnung findet ihren Platz" hineingeschrieben, doch ich denke, es passt gerade auch so gut hierher, zu Dir, zu dem, was Du erlebst, wie Du Dich fühlst.
Auch ich konnte es so nur schreiben, weil ich es selber so erlebt habe - das "Ganz tief unten sein" und wieder Hoffnung finden.

Ich sende Dir und auch Flavia und allen Müttern besonderer Kinder, denen es gefühlsmässig ähnlich geht viele liebe Gedanken und Wünsche

Bea

Die Hoffnung findet ihren Platz
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°


Gerade erst noch
warst Du ein kerngesunder Baum
mit hoffnungsvoll grünen Blättern,
stabilen Ästen und einem Stamm,
an dem das Leben unaufhaltsam emporkletterte.

Und nun?
Tränen hängen anstelle von Blättern
an Deinen Ästen, die zeitweise schmerzen,
weil am Stamm eine Krankheit nagt.
Die Unbeschwertheit und die Leichtigkeit sind dahin,
Deine Seele blutet,
plötzlich ist da Angst vor der Zukunft.

DOCH die Hoffnung findet ihren Platz
auch dort, wo Tränen sind,
auch dort, wo Schmerzen sind,
auch dort, wo Angst ist und Ungewissheit.
Wenn auch nur ein winziges Plätzchen
für sie frei ist,
inmitten Deiner Not,
sie findet es und lässt sich nieder.

Sie wird ein Nest bauen in Dir,
ein Nest aus Halmen, so zart und zerbrechlich
wie das Leben,
aber sie flicht daraus eine Bleibe,
die standhaft ist und beweglich zugleich.
Die Hoffnung wird zu singen beginnen
und Deine Seele möchte tanzen.

Mögen auch Tage kommen,
an denen Du zweifelst,
mögen auch Stürme und Dunkelheit
Dich bedrohen,
die Hoffnung findet wieder zu Dir zurück,
immer und immer wieder,
solange Du es zulässt.

Wenn irgendwann alles drüber und drunter geht,
wenn Du die Orientierung verloren hast
und nicht mehr weisst,
wohin Du dich wenden sollst,
wenn Du dich hilflos ausgeliefert fühlst
und Du denkst, Du bist verloren....

Halt ein Plätzchen frei
für die HOFFNUNG!

Copyright Text und Bild by Bea(Ladina)Pfister
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Man sieht nur mit dem HERZEN gut.
Antoine de Saint-Exupéry

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