Sehschwäche beim Baby im Alltag erkennbar?

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Salina
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Sehschwäche beim Baby im Alltag erkennbar?

Beitrag von Salina » 18. Oktober 2007, 23:44

Hallo zusammen

Mich würde interessieren, ob Ihr die Sehschwäche bei Euren Kindern schon früh erkennen konntet an alltäglichen Dingen?

Wir haben ein 6monatiges Mädchen mit Nystagmus. Vor 2 Monaten, d.h. mit 4 Monaten (korrigiert 3 Monaten), ist der Nystagmus aufgetreten und von da an schien sie so ca. 14 Tage praktisch nichts zu sehen, verfolgte meine Augen nicht, keine Spielzeuge etc. Sie reagierte immer auf Licht.

Heute 2 Monate später verfolgt sie alles und greift nach Spielsachen. Ich kann es nicht lassen und teste sie: sie schaut z.B. Seifenblasen nach oder greift nach einem Stück durchsichtigen Plastiksack, greift nach dem Nuggi etc.
Alles Dinge die Nahe sind, was weiter weg ist, kann ich nicht beurteilen, ausser vielleicht, dass sie mir nachschaut wenn ich den Raum verlasse.

Der Nystagmus ist noch da, ist viel schwächer geworden, oft nur noch ein Zittern der Augen, dann aber ab und an auch grössere Bewegungen. Ganz selten und für kurze Zeit haben wir das Gefühl, dass die Augen ganz ruhig sind.
Wir waren bei 2 Augenärzten und die haben, ausser Nystagmus, nichts weiter festgestellt. Sind aber noch weiterhin in Abklärung.

Freue mich über Eure Erfahrungen! Vielen Dank!

Liebe Grüsse
Salina
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Entwicklung

Beitrag von Flavia » 20. Oktober 2007, 20:30

Ich denke das schwierige ist, dass ihr vielleicht noch etwas Geduld braucht? Sie ist ja erst sechs Monate alt. Allerdings wenn sie ein Sehproblem hat kann die Therapie nicht früh genug beginnen!!!
Ich finde es gut dass du sie spielerisch testest. Eltern kennen ihre Kinder am besten und können sich so auch gut mit den Fachleuten austauschen.
Vielleicht wendest du dich einmal an eine Sehtherapeutin. ( Low vision oder Visoparents)
Die kommen zu dir nach Hause und "spielen" mit dem Kind. Bei uns war es so dass der Therapeut damals ein paar mal kam und dann feststellte dass Siro Therapie nötig hatte. Ich nehme an dass er bei einigen Kindern dann auch sagte dass das Kind Zeit braucht und vielleicht nur periodisch besucht wird?

Hast du Adressen oder soll ich dir weiterhelfen?

Liebi Grüess Flavia
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Jael
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Beitrag von Jael » 20. Oktober 2007, 20:39

Hallo Salina,
unsere Tochter Jael hat auch einen Nystagmus, hatte aber sehr lange (auch z.T. heute noch ) die Augen seitlich. Am Anfang dachten die Aerzte, dass sie wahrscheinlich sehr schlecht bis gar nichts sieht, die Augen-US (VEP, Elektroretinogramm, Augenhintergrund) waren aber i.O. Da sie motorisch einen starken Rückstand hat, konnte sie erst mit ca. 9,5 Monaten vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt drehen, als sie dann mit der Zeit "umherrollte" und selbständig zu Gegenständen kam, wussten wir, dass sie sicher etwas sieht. Das Licht der Taschenlampe verfolgte sie schon ein bisschen vorher. Sie hatte am Anfang viele Gegenstände die glitzerten, ich habe ihr viel mit Glitzerpapier beklebt, welche mit der Taschenlampe beleuchtet wurden und einiges Spielzeug hat Blinklicht. An diesen Spielzeugen hatte sie (auch heute noch) am meisten Freude. Mit ca. 20 Monaten fing sie an zu "robben" und geht jetzt gezielt auf Dinge oder Menschen/Tiere zu, sehen kann sie unserer Meinung "recht gut". Sie hat Frühförderung für sehbehinderte und dort hat man auch festgestellt, dass die Augen besser geworden sind. Wieviel sie sieht wissen wir nicht, da sie auch viel über ihr Gehör macht.
lg Myriam
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Beitrag von Salina » 24. Oktober 2007, 12:57

Liebe Myriam, liebe Flavia

Vielen Dank für Eure Antworten.
Wir haben Anfang November nochmals einen Termin bei einem Augenarzt. Wir waren bereits vor drei Monaten bei ihm, so kann er den Unterschied feststellen. Sie verfolgt alles und die Augen sind bedeutend ruhiger geworden.

Dann werden wir auch entscheiden, ob wir sie bei Visoparents anmelden.
Habe das schon vor drei Monaten angesprochen und zwar bei zwei Augenärzten und im Kinderspital, Neurologie. Alle Aerzte meinten, das sei nicht nötig. Habt Ihr auch diese Erfahrung gemacht?

Liebe Grüsse
Salina
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Beitrag von Jael » 25. Oktober 2007, 17:26

Hallo Salina,
Visoparents kenne ich nicht persönlich, habe aber einmal einen Flyer bekommen. Wir haben unsere Abklärungen bei Frau Rosmarie Nef (Low Vision Trainerin) in Flawil. Wir sind sehr zufrieden, unser kleiner Jeremia wird dann auch noch von ihr abgeklärt, da seine Augen auch unruhig sind.
Vielleicht wollen die Aerzte noch warten, da sich die Augen Deiner Tochter verbessert haben? Wir wurden von unserem Neurologen zu Frau Nef überwiesen.
lg Myriam
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Viso parents, low vision

Beitrag von Flavia » 25. Oktober 2007, 19:07

Beide bieten das gleiche. Fachleute und TherapeutInnen für sehbehinderte, blinde oder mehrfachbehinderte Kinder.
Früher gab es nur Visoparents mit denen arbeitete auch Frau Nef zusammen. ( Eine Kapazität!!! Sie arbeitet in Zürich und St.Gallen und bietet Abklärungen)
Aus welchen Gründen auch immer haben sich Frau Nef und einige Therapeutinnen selbstständig gemacht.
Ich machte mit beiden nur gute Erfahrungen!

Liebi Grüess Flavia
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Beatrice
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schöne grosse, aber sehr schlecht sehende Knopfaugen

Beitrag von Beatrice » 25. Oktober 2007, 19:54

Hallo Salina

Habe zu Deiner Frage eben meine Mutter befragt. Ich bin 1967 als sog. gesundes Kind geboren worden, war allerdings 3 1/2 Wochen übertragen und kam mit der Nabelschnur um den Hals zur Welt. Durch den Sauerstoffmangel wurde dann mit etwa einem halben Jahr ein CP diagnostiziert, wobei es eher leicht eingestuft wurde.
Heute weiss man aber, dass ich bereits hochgradig sehbehindert zur Welt gekommen bin - genauer hochgradig kurzsichtig (sogenannte Ambliopie, Minus 23 Dioptrien beidseitig) Gleich nach der Geburt konnte das niemand feststellen. Ich hatte wunderhübsche dunkle Knopfaugen.
Als ich etwas so 5 Monate alt war und zu spielen begann, fiel meiner Mutter auf, dass ich alles immer so nahe ans Gesicht nahm. Sie sprach dann den Kinderarzt darauf an, aber der sagte, das sei normal bei so kleinen Kindern. Mit 2 Jahren war es aber immer noch so, es fiel einer Tante auf, die mich gehütet hat. Ausserdem bin ich noch nicht gelaufen, hatte dagegen einen fabelhaften Wortschatz, gefremdet habe ich auch nie und selbst wenn wir bei Einkaufen an bunten, verlockenden Süssigkeiten vorbeifuhren, blieb ich immer schön nett und habe nie gebettelt. Ich war ein sehr zufriedenes Kind, nur wenn ich in dunklen Räumen war, da habe ich Mordio gebrüllt.
Als ich drei war und immer noch nicht richtig laufen wollte, immer nur den Wänden nach und die Treppen überhaupt nur auf dem Füdli, ist meine Mutter mit mir zum Augenarzt. Der aber schaute mich kaum an - er meinte, ich sei halt ein Phlegma und wenn ich schlecht sehen würde, würde ich schielen. Alle Kinder, die schlecht sähen, würden schielen. Ich aber schielte nicht.
Erst 1 1/2 Jahre später, als ich eine 4 1/2 Jahre alt war und eine Augenvorsorge-Untersuchung machen sollte beim Kinderarzt und ich dort einfach gar nichts sah, überwies mich dieser wieder zum selben Augenarzt. Der tat dann Atropin-Tropfen in meine Augen und nach der Untersuchung war er entsetzt, hatte aber immerhin soviel Grösse, sich bei meiner Mutter zu entschuldigen, dass er dies nicht vorher wahrgenommen hatte. Er sagte, er hätte noch nie ein so schwer kurzsichtiges Kind gesehen und erst noch eines, das nicht schielte!
Natürlich habe ich danach unverzüglich eine Brille bekommen (sie war so schwer, dass ich an der Nase einen richtige Delle bekam, wenn ich sie trug) und das erste Mal meine Eltern und die Geschwister und die Katze und überhaupt alles richtig gesehen.

Leider ist es aber so, dass bei mir wegen dem langen Unerkannt-Bleiben der Sehbehinderung keinerlei Frühförderung gemacht wurde. Schon damals wusste man, dass die möglichst frühe Förderung sehbehinderter Kinder, die Augen manchmal verbessern kann. Meine Augen sind darum leider stetig nur noch schlechter geworden.

Ich kann Dir darum nur raten, die low Vision-Beratung für Dein Kind so schnell als möglich in Anspruch zu nehmen, damit der Sehrest trainiert werden kann und nicht verkümmert.
Gott sei Dank verfügt man heute auch über Geräte, die schon bei Babys hochgradige Kurzsichtigkeit feststellen können, wie ich von Prof. Justus Garweg vom Lindenhofspital, Bern, weiss

Alles Gute wünscht Dir und Deinem Kind

Beatrice
matafarami
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Beitrag von matafarami » 31. Oktober 2007, 22:14

Hallo
Unser kleiner ist auch mit einer Sehbehinderung geboren. Er hat auch den Nostagmus. Dieser hat sich in der letzten Zeit recht gebessert, wird wahrscheinlich nie ganz weggehen. Er ist jetzt gut 2 Jahre alt, und hat seit dem 4 Monat Frühförderung mit einer Low vision trainerin. Dies hat sehr viel gebracht! Wieviel er genau sieht wissen wir nicht. Sachen in der nähe wohl recht gut, aber alles was weiter weg ist, sieht er, aber wie gut, keine Ahnung.
Die Zeit wird es zeigen.
Raphael HC/CP
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Beitrag von Salina » 8. November 2007, 00:28

Hallo zusammen

Vielen Dank für Eure Antworten.
Wir waren für eine zweite Kontrolle beim Augenarzt und gehen weiterhin alle drei Monate zur Kontrolle. Unser Kind verfolgte die Gegenstände, die der Arzt hingehalten hatte schnell und sicher. Der Augenhintergrund etc. wird erst bei der nächsten Untersuchung nochmals angeschaut. Und für ein VEP sei es noch zu früh. Ab welchem Alter wurde bei Euren Kindern VEP, Elektroretinogramm gemacht?

Ich habe den Arzt auf Frühförderung angesprochen. Er meinte, er arbeite mit Low Vision zusammen, aber er sehe für unsere Tochter keine Notwendigkeit. Auch wenn er den Kinderwagen und die Spielsachen sehe, dann denke er, dass wir schon genügend selber machen. Wichtig sei, dass sie viele Dinge zum anschauen bekommt und viel Blickkontakt.

Daher meine Frage, was macht eine Low Vision Therapeutin? Könnt Ihr mir ein paar Beispiele nennen?

Ich halte unserer Tochter immer wieder Dinge hin, die sie greifen kann. Wenn sie danach greifen will ändere ich schnell die Position und sie kommt mit ihren Händen schnell nach uns so fort, ein kleines Spiel, das sie lustig findet. Am Abend spielen wir mit einer Taschenlampe im dunklen Zimmer, da ist sie auch ganz fasziniert. Und heute habe ich all unsere farbigen Magnete am Kühlschrank aufgereiht und habe sie danach greifen lassen. Wenn sie badet machen wir Seifenblasen. Ich gehe mit ihr ins Babyschwimmen, auch dort greift sie nach farbigen Bällen etc.

Habt Ihr weitere Tipps wie wir sie im Alltag fördern können?

Ich muss sagen, wir waren bei zwei Augenärzten und bei einem Neurologen. Alle drei Aerzte sagen dasselbe, es ist keine Frühförderung nötig. Grosse farbige Spielsachen zum Spielen geben und viel Blickkontakt. Alle sagen, dass bei Nystagmus in der Regel ein guter Visus erreicht wird, wieviel sie aber sehen kann und wird weiss niemand. Wäre dann nicht doch Frühförderung angesagt? Oder sollte ich doch einfach den Aerzten vertrauen? Vielleicht habe ich doch einfach zuviel im Internet gelesen?

Liebe Grüsse
Salina
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Beitrag von Jael » 8. November 2007, 14:50

Hallo Salina,
bei Jeremia wurde mit 18Wochen ein VEP gemacht. Jael wurde ca. zwischen 4-7 Monaten ein VEP und Elektroretinogramm gemacht (ich weiss es nicht mehr genau). Für das Elektroretinogramm muss das Kind schlafen (Sedation). Jael hatte lange keinen Blickkontakt zu uns und konnte auch lange nicht nach etwas gezielt greifen. Jeremias Augen sind nicht so unruhig wie bei Jael, aber ok sind sie auch nicht.


lg Myriam
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Salina

Beitrag von Flavia » 9. November 2007, 21:47

Das was du mit deiner Tochter machst ist auch Therapie. Scheinst es intuitiv richtig zu machen! Oder hast du eine pädagogische Ausbildung?
Eine Therapeutin übt auch spielerisch gewisse Sachen mit dem Kind. Für Ausserstehende sieht es vielfach so aus dass sie "nichts" macht.
Wichtig ist auch dass sie früh erkennen ob das Kind noch andere Therapien nötig hat.
Wenn du willst kann ich dir von unserer ehemaligen Sehtherapeutin die Tel.Nr. angeben?
Vielleicht beruhigt es dich wenn sie auch sagt dass sie keine Therapie nötig hat oder sie kann mit dem Arzt Kontakt aufnehmen?
Ich kann mir vorstellen wie du dich fühlst. Einerseits willst du nicht die extreme Mutter sein die alles "über"therapieren möchte, andererseits willst du auch nichts verpassen.

Ganz liebi Grüess Flavia
Andrea mit Roman
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low Vision

Beitrag von Andrea mit Roman » 10. November 2007, 19:44

liebe Salina
ich hatte in der Ausbildung zur Heilpädagogin mal eine 2 tägigen Blockkurs in Low Vision.(das war vor 17 Jahren).
-Es mir vor alem geblieben ist:Sehr kleine Kinder sehen besser schwarz weiss Kontraste als Farben.8habe grad nicht vor Augen, wie alt deine Tochter ist).
ich habe mit sehschwachen Kinder die Spielzeuge schwarz weiss gestreift 1 cm streifen bemalt oder beklebt, auch Schachbrettmuster usw. ( habe grad nachgeschaut, das ist bis etwa 8 Monate so, dann bevorzugen sie Farben
- Hallogentaschenlampen leuchten heller, Blichklichter erzeugen auch visuelle Aufmerksamkeit
-bunte Sichtmäpchen mit Lampe beleuchten
-CD Scheiben glitzern angeleuchtet

vielleicht kannst du daraus etwas entnehmen.
herzliche Grüsse
Andrea mit Roman (5/2000), Downsyndrom (Trisomie 21),Hörbehindert und schwerer Sprechdyspraxie. Verständigt sich mit Sprache, Gebärden und Mintalker.
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