brennende Augentröpfli - eine Geschichte, die mir als Kind geholfen hat

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Beatrice
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brennende Augentröpfli - eine Geschichte, die mir als Kind geholfen hat

Beitrag von Beatrice » 20. August 2019, 17:42

Hoi zäme

Seitdem ich 4 Jahre alt bin, gehe ich in Augenarztpraxen häufiger ein und aus als es wohl der Durchschnitt aller Menschen tut. Doch alle, die schon mal gehen mussten und unter anderem Tropfen erhielten, welche die Pupille gross machen - die kennen das fiese Brennen dieser Tropfen. Auch erwachsene Menschen finden das kaum je schön.

Als ich Kind war (1970-er Jahre), gingen wir immer in die Praxis von Dr. Grämiger Senior in St. Gallen. Das war ein ganz netter Mensch, doch seine Arzthelferin war gelinde ausgedrückt ein richtiger Drache - und ein Kinderschreck. Sie hatte überhaupt gar kein Verständnis für Kinder, die sich vor den brennenden Tropfen fürchteten und auch weinten deswegen.

Als ich ca. 8 Jahre alt war und wieder mal zum Augenarzt musste, da hatte er einen 2. angehenden Kinderaugenarzt bei sich im Zimmer. Dieser fragte mich, ob ich denn gerne zum Augenarzt käme.
Da habe ich NEIN gesagt und erzählt, dass diese Tropfen so schlimm sind und so fürchterlich brennen.

Er hat nicht mit mir geschimpft, dafür erzählte er mir eine Geschichte oder er gab mir sogar eher einen Vergleich ab. Und dieser Vergleich hat mir danach immer sehr fest geholfen, wenn ich wieder solche Tröpfchen bekommen habe. Darum möchte ich das hier weitergeben, denn auch heute gibt es Kinder, die sich vor diesen brennenden Tropfen fürchten und nicht verstehen, warum sie so geplagt werden.

Der junge Arzt damals fragte mich, ob ich auch einen Freund oder eine Freundin habe und als ich dies bejahte sagte er, dann warst Du sicher auch mal bei dem zu Besuch, und hast ihm oder ihr ein Geschenk mitgebracht- ich bejahte dies wieder.
Da sagte er: Wenn Du dem Sabinli oder dem Urs ein Geschenk bringen möchtest, dann kannst Du läuten an der Türe und sie wissen dann, aha, jetzt kommt Beatrice zu Besuch und bringt mir ein Geschenk. Und dann machen sie Dir auf.
Die Augentröpfli wollen Deinem Auge auch ein Geschenk bringen, aber weil es an den Augen keine Glocke gibt, die läutet, darum müssen sie brennen, damit das Auge weiss, jetzt muss ich ganz weit aufgehen, damit das Tröpfli mir sein Geschenk bringen kann!

Diese kleine, aber feine Geschichte hat mir damals und über Jahre sehr geholfen. Die Tröpfli brannten wie eh und je und schön war das nie. Aber ich konnte mir sagen, die wollen mir ja helfen oder meinem Auge ein Geschenk bringen - und dadurch wurde es irgendwie weniger schlimm.

Vielleicht hilft diese Geschichte oder dieser Vergleich auch Euren Kindern, die in regelmässigen Abständen solche Tropfen bekommen.

Mit einem herzlichen Gruss
Bea
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